Wendländischer Weg: Nicht so genau hinschauen
Betrifft: Artikel „Große Herausforderungen“ (EJZ vom 7. März)
Den Grundwasserstand kann man inzwischen durchaus als dramatisch bezeichnen. Umso verwunderlicher finde ich, dass im Wendland offenbar ein ganz eigener Weg gefunden wurde, damit umzugehen: Man schaut lieber nicht so genau hin.
Bereits im Juni 2023 berichtete die EJZ, dass bei einer stichprobenartigen Kontrolle der Wasserbehörde 47 von 60 überprüften Brunnen Mängel aufwiesen. Wasserzähler fehlten, Genehmigungen ebenfalls. Bei fast 80 Prozent der kontrollierten Brunnen gab es also keine verlässlichen Angaben darüber, wie viel Grundwasser tatsächlich entnommen wurde (EJZ vom 26. Juni 2023).
Noch bemerkenswerter ist, dass es für die rund 1.300 gemeldeten Beregnungsbrunnen offenbar bis heute keine systematische Kontrolle gibt. Die Behörde verlässt sich weitgehend auf die Angaben der Landwirte selbst. Wie viel Wasser tatsächlich gefördert wird, weiß also niemand so genau, und wie viele versteckte Brunnen es insgesamt gibt, folgerichtig auch nicht.
Umso erstaunlicher wirkt eine Nachricht aus der jüngsten Versammlung des
Bauernverbandes in Dünsche. Dort verkündete Herr Heuer stolz, man habe nach
„zahllosen Gesprächen“ mit dem Landkreis erfolgreich verhindert, dass an jedem
Beregnungsbrunnen verpflichtend Wasserzähler installiert werden müssen. Diese
zusätzliche Kontrolle sei – so die Begründung – „unnötige Bürokratie“ (EJZ vom
7. März 2026).
Da stellt sich unweigerlich eine Frage: Welche wendländische Fee mit langen
blonden Haaren hat nach all diesen Gesprächen im Kreishaus einen derart
großzügigen Wunsch erfüllt? In anderen Regionen nennt man so etwas
Interessenpolitik. Im Wendland wirkt es eher wie eine Mischung aus Märchenstunde
und Klientelpflege. Gerade wenn bereits festgestellt wurde, dass bei einem
Großteil der kontrollierten Brunnen grundlegende Regeln nicht eingehalten
werden, wirkt es fast schon charmant naiv, auf Wasserzähler zu verzichten. Oder
anders gesagt: Wer nicht misst, muss sich auch nicht mit unangenehmen Zahlen
auseinandersetzen.
Umso unverständlicher ist es, dass es offenbar bis heute keine klaren technischen Vorgaben der Verwaltung gibt, wie eine manipulationssichere Messung überhaupt auszusehen hat. Ein fest installierter und verplombter Zähler oder gleich digitale Durchflussmesser mit Fernablesung – wären hier naheliegend. Solche Standards sind längst bekannt. All das ist keine Raketenwissenschaft. Es sind einfache, technisch bewährte Lösungen. Umso erstaunlicher ist es, dass sie im Wendland offenbar als überflüssige Bürokratie gelten. Vielleicht hofft man ja weiterhin auf die wendländische Fee. Die sorgt dann bestimmt auch dafür, dass das Grundwasser einfach immer wieder nachgezaubert wird.
Adelheid Danielowski
Gedelitz