Bürgerinitiative fordert unabhängige Gutachten
Bisherige Aussagen zur geplanten Ausbringung von Kartoffelerde in der Kiesgrube Tiesmesland seien einseitig und interessengeleitet
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Tiesmesland. In der Kiesgrube in Tiesmesland soll ein zwei Hektar großer Teil
der Anlage mit einer Schicht aus Kartoffelerde aufgefüllt werden (EJZ
berichtete). Für die
Anwohner des Dorfes an der Elbuferstraße ist das Vorhaben nichts Neues. Sie
haben vor drei Jahren erlebt, wie schon einmal die Erde aus der Produktion von
Kartoffelstärke in
der Kiesgrube ausgebracht wurde. Als sie im Sommer von dem neuen Vorhaben
hörten, gründeten sie eine Bürgerinitiative (BI). Die hat nach eigenen Angaben
bisher zehn Mitglieder.

Bild: Auf die ehemaligen Kiesabbauflächen bei Tiesmesland soll großflächig Kartoffelerde im Rahmen eines Pilotprojektes aufgebracht werden. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben gebildet. Aufn.: K.-F. Kassel
Unterschriftenliste überreicht
Die Mitglieder der BI stehen den Aussagen vonseiten des Vorhabenträgers, des
Grubenbetreibers Elbe Kiesförderung, misstrauisch gegenüber. Die BI fordert
unabhängige
Untersuchungen und Gutachten. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kiesgrube in einem
Wassereinzugsgebiet liege. Ihre Forderungen hat sie zusammen mit 200
Unterschriften an
Landrätin Dagmar Schulz übergeben.
Einwände zur nun geplanten Ausbringung von Kartoffelerde kommen auch von
anderer Seite. Anders als die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer hat das
staatliche
Forstamt Göhrde deutliche Zweifel am Ziel der Erdausbringung. Auf einer solchen
Schicht Kartoffelerde werde kein gesunder Wald wachsen können. In dem Erdreich
würden
sich schnell Pilze entwickeln, die jedes gesunde Wachstum verhindern würden, hat
das Forstamt in einer Stellungnahme geäußert.
Vor drei Jahren starker Gestank
Als vor drei Jahren die Laster mit der Abfallerde über die Straßen und den
Waldweg zur Grube rollten, stank es ganz fürchterlich, berichten
Kaja Mörseburg-Baumhauer und Horst
Baumhauer. Der Gestank löste allerlei Vermutungen über die Zusammensetzung des
Materials aus. Beim Grubenbetreiber hatte man eine Begründung. Die Erde sei bei
der
Stärkefabrik über einen längeren Zeitraum zwischengelagert worden. Der große
Anteil organischer Bestandteile sei in Fäulnis übergegangen. Das würde bei dem
jetzigen
Vorhaben nicht geschehen, erklärte bei einem Gespräch in der Grube
Landschaftsarchitekt Jörg Knaak. Denn diesmal würde die Erde nicht so lange
zwischengelagert. 2020
wurde eine maximal 50 Zentimeter dicke Schicht auf der Fläche ausgebracht, die
jetzt noch einmal um bis zu vier Meter erhöht werden soll. Damals hätten die
Anwohner die
Auskunft erhalten, das Erdreich diene der Renaturierung und alles sei legal. Das
gilt offenbar für eine solche Schicht von maximal einem halben Meter, weil sie „durchwurzelbar“
ist. Dass dies auch für eine vier Meter dicke Schicht gelten könnte, halten
Kritiker für abwegig.
Fehlen Kontrollbrunnen?
Aber der Gestank ist längst nicht der einzige Grund, weshalb die Mitglieder der
Bürgerinitiative dem neuen Vorhaben und überhaupt dem Betrieb der Grube
skeptisch
gegenüberstehen. Sie sehen auch eine Gefahr für das Grundwasser. Normalerweise
müsste es bei einem solchen Bodenabbau Kontrollbrunnen für das Grundwasser
geben,
einen Brunnen oberhalb, einen unterhalb, wundert sich Horst Baumhauer. In
Tiesmesland gebe es so etwas nicht, erklärt er.
Überhaupt hält er die aktuellen Aussagen über die Auswirkungen der Kartoffelerde
auf das Grundwasser für einseitig und interessengeleitet. Es gebe keine
unabhängigen
Gutachten, sagt Baumhauer. Die Behauptung des Gutachters der Industrie- und
Handelskammer, Prof. Dr.Klaus-Peter Salomo, hält er für eindeutig falsch. Salomo
hatte erklärt,
es gebe keine Gefährdung des Grundwassers und zwischen einem Stauwasser in der
Nähe der Oberfläche und dem ersten Grundwasserstockwerk keine Verbindung. „Das
ist
Quatsch,“ sagt Baumhauer. Wenn es stimmen würde, gäbe es am Grunde der Grube
anstatt einer Trockenfläche einen Badesee.
Von einer Renaturierung, zu der die Aktion vor drei Jahren dienen sollte, sei
auf der Fläche bis heute nichts zu sehen, behaupten die BI-Mitglieder. Bäume
seien dort jedenfalls
nicht gepflanzt worden.