vom 28.10.2023

Bürgerinitiative fordert unabhängige Gutachten

Bisherige Aussagen zur geplanten Ausbringung von Kartoffelerde in der Kiesgrube Tiesmesland seien einseitig und interessengeleitet

VON KARL-FRIEDRICH KASSEL

Tiesmesland. In der Kiesgrube in Tiesmesland soll ein zwei Hektar großer Teil der Anlage mit einer Schicht aus Kartoffelerde aufgefüllt werden (EJZ berichtete). Für die
Anwohner des Dorfes an der Elbuferstraße ist das Vorhaben nichts Neues. Sie haben vor drei Jahren erlebt, wie schon einmal die Erde aus der Produktion von Kartoffelstärke in
der Kiesgrube ausgebracht wurde. Als sie im Sommer von dem neuen Vorhaben hörten, gründeten sie eine Bürgerinitiative (BI). Die hat nach eigenen Angaben bisher zehn Mitglieder.

Bild: Auf die ehemaligen Kiesabbauflächen bei Tiesmesland soll großflächig Kartoffelerde im Rahmen eines Pilotprojektes aufgebracht werden. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben gebildet. Aufn.: K.-F. Kassel

Unterschriftenliste überreicht

Die Mitglieder der BI stehen den Aussagen vonseiten des Vorhabenträgers, des Grubenbetreibers Elbe Kiesförderung, misstrauisch gegenüber. Die BI fordert unabhängige
Untersuchungen und Gutachten. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kiesgrube in einem Wassereinzugsgebiet liege. Ihre Forderungen hat sie zusammen mit 200 Unterschriften an
Landrätin Dagmar Schulz übergeben.

Einwände zur nun geplanten Ausbringung von Kartoffelerde kommen auch von anderer Seite. Anders als die Forstabteilung der Landwirtschaftskammer hat das staatliche
Forstamt Göhrde deutliche Zweifel am Ziel der Erdausbringung. Auf einer solchen Schicht Kartoffelerde werde kein gesunder Wald wachsen können. In dem Erdreich würden
sich schnell Pilze entwickeln, die jedes gesunde Wachstum verhindern würden, hat das Forstamt in einer Stellungnahme geäußert.

Vor drei Jahren starker Gestank

Als vor drei Jahren die Laster mit der Abfallerde über die Straßen und den Waldweg zur Grube rollten, stank es ganz fürchterlich, berichten Kaja Mörseburg-Baumhauer und Horst
Baumhauer. Der Gestank löste allerlei Vermutungen über die Zusammensetzung des Materials aus. Beim Grubenbetreiber hatte man eine Begründung. Die Erde sei bei der
Stärkefabrik über einen längeren Zeitraum zwischengelagert worden. Der große Anteil organischer Bestandteile sei in Fäulnis übergegangen. Das würde bei dem jetzigen
Vorhaben nicht geschehen, erklärte bei einem Gespräch in der Grube Landschaftsarchitekt Jörg Knaak. Denn diesmal würde die Erde nicht so lange zwischengelagert. 2020
wurde eine maximal 50 Zentimeter dicke Schicht auf der Fläche ausgebracht, die jetzt noch einmal um bis zu vier Meter erhöht werden soll. Damals hätten die Anwohner die
Auskunft erhalten, das Erdreich diene der Renaturierung und alles sei legal. Das gilt offenbar für eine solche Schicht von maximal einem halben Meter, weil sie „durchwurzelbar“ ist. Dass dies auch für eine vier Meter dicke Schicht gelten könnte, halten Kritiker für abwegig.

Fehlen Kontrollbrunnen?

Aber der Gestank ist längst nicht der einzige Grund, weshalb die Mitglieder der Bürgerinitiative dem neuen Vorhaben und überhaupt dem Betrieb der Grube skeptisch
gegenüberstehen. Sie sehen auch eine Gefahr für das Grundwasser. Normalerweise müsste es bei einem solchen Bodenabbau Kontrollbrunnen für das Grundwasser geben,
einen Brunnen oberhalb, einen unterhalb, wundert sich Horst Baumhauer. In Tiesmesland gebe es so etwas nicht, erklärt er.

Überhaupt hält er die aktuellen Aussagen über die Auswirkungen der Kartoffelerde auf das Grundwasser für einseitig und interessengeleitet. Es gebe keine unabhängigen
Gutachten, sagt Baumhauer. Die Behauptung des Gutachters der Industrie- und Handelskammer, Prof. Dr.Klaus-Peter Salomo, hält er für eindeutig falsch. Salomo hatte erklärt, es gebe keine Gefährdung des Grundwassers und zwischen einem Stauwasser in der Nähe der Oberfläche und dem ersten Grundwasserstockwerk keine Verbindung. „Das ist Quatsch,“ sagt Baumhauer. Wenn es stimmen würde, gäbe es am Grunde der Grube anstatt einer Trockenfläche einen Badesee.

Von einer Renaturierung, zu der die Aktion vor drei Jahren dienen sollte, sei auf der Fläche bis heute nichts zu sehen, behaupten die BI-Mitglieder. Bäume seien dort jedenfalls
nicht gepflanzt worden.

Bearbeitet am: 30.10.2023/ad


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