vom 30.10.2023

In Sorge um den Aal in der Elbe

Treffen in Gorleben: Vertreter der Elbfischerei erhoffen sich Unterstützung von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne)

VON DAVID SCHRÖDER

Gorleben. Mögliche weitere Fangeinschränkungen für Glasaale, die für den Besatz benötigt werden, und Probleme mit der Elbvertiefung bei Hamburg – diese beiden und
einige andere Themen hatten Vertreter der Elbfischerei am Freitag zum Treffen mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) in Gorleben
mitgebracht. Das verbindende Element: die Sorge der Fischer, dass der Aal in naher Zukunft aus der Elbe verschwindet. Und damit auch ein Standbein für die wenigen
verbliebenen Elbfischer.

Bild: Elbfischer Christian Köthke (am Käscher) führte Umweltministerin Miriam Staudte über sein Areal in Gorleben. Da durfte ein Blick auf den ganz frischen Fisch nicht fehlen. Aufn.: D. Schröder

Zunächst führte Gastgeber Christian Köthke, letzter Elbfischer im Landkreis Lüchow-Dannenberg, die Ministerin und die Gruppe mit Alexander Meyer, Detlev Gaumert (beide
Landesfischereiverband Niedersachsen), Eckhard Panz (Elbfischer bei Hohnstorf, Vereinigung für Fischerei-und Gewässerschutz Lüneburg – VFGL), Ernst Eibach (VFGLSprecher  Angelfischerei), Steffen Göckemeyer (Fischereiberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Walter Zeeck (VFGL-Sprecher für Erwerbsfischer im Tiedebereich) und Stephan Wessels (Fischereireferent im Landwirtschaftsministerium) über sein Betriebsgelände.

Nass war es: Regen von oben und Wasser aus den Becken in der Schlachterei von unten, ehe es im Wohnhaus der Familie Köthke in gemütlicher Atmosphäre ins konstruktive Gespräch ging.

„Kommt das Fangverbot, gibt es keine Aale mehr in der Elbe“

Seit 17 Jahren sorgt die Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei jährlich für den Aalbesatz der Elbe – ein Bereich des EU-Aalmanagementplans. Allein in den vergangenen acht
Jahren setzte die Initiative mehrere Millionen Glasaale aus, um den Bestand zu verbessern. „So langsam geht es aufwärts“, berichtete Ernst Eibach von besseren Fangergebnissen. Doch nun sorgen sich die Fischer um ein möglichesEU-Fangverbot für Glasaale, die unter anderem vor der französischen und englischen Küste gefangen werden. „Kommt das Fangverbot, gibt es keine Aale mehr in der Elbe“, meinte Eibach. „Der Glasaal muss verfügbar sein“, unterstrich Steffen Göckemeyer im Gespräch mit der Ministerin.

Fischereireferent Wessels berichtete, dass es bereits im vergangenen Jahr ein sechsmonatiges Fangverbot in den sogenannten Unionsgewässern im Meeresbereich
gegeben habe. Nun liege ein neuer Entwurf in ähnlicher Form für eine EU-Richtlinie vor. Dieser werde Anfang Dezember im EU-Fischereiausschuss behandelt und gehe
danach zum Beschluss an die EU-Kommission. Miriam Staudte versprach, „unsere niedersächsische Position“ nochmal an den Bund zu richten.

„Strangulierung des Flusses“

Ein weiteres Thema in der Runde betraf wieder den Aal, aber auch alle anderen Lebewesen im großen Strom. Walter Zeeck, Elbfischer im Mündungsbereich, berichtete von den Auswirkungen der Elbvertiefung für große Containerschiffe, die den Hamburger Hafen anlaufen. „Der Strom wird immer schneller und am Rande verschlickt alles“, so Zeeck. Hinzukomme, dass der Sauerstoffgehalt in diesem Gebiet im Sommer gegen Null gehe, erläuterte Zeeck.

 „Das ist eine Strangulierung des Flusses an seiner  empfindlichsten Stelle“, konstatierte Christian Köthke. So sei eine Verbesserung des Aalbestandes durch die natürliche Wanderung der Fische kaum noch möglich. Die Ministerin konnte dazu keine großen Versprechungen machen: „Das ist eine Problematik mit Ansage, aber Hamburg mit dem Hafen tritt hier breitbeinig auf und zieht das durch.“

Insgesamt wünschten sich die Fischereivertreter für ihre Anliegen mehr Interesse. „Fische haben keine Lobby“, sagte Ernst Eibach. Dazu gestand die Ministerin ein, dass der
sogenannte Niedersächsische Weg „sehr auf Insekten und die Vogelwelt fokussiert“ sei. Hier müsse nachgesteuert werden.

Bearbeitet am: 30.10.2023/ad


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