DISKUSSIONSRUNDE IN KÜSTEN

„Wem gehört das Wasser?“
Konträre Positionen, aber auch weitgehende Einigkeit gab es bei einer Diskussionsrunde der Partei Die Linke in Küsten zum Thema „Wem gehört das Wasser?“. Im Mittelpunkt dabei: die Landwirtschaft. »
„Mekka der Beregnung“
Landwirtschaft im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde der Partei Die Linke zum Thema Wasser
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Küsten. Eine Diskussion wie die am Donnerstag in Küsten hätte sich Landrätin Dagmar Schulz (parteilos) schon vor zehn Jahren gewünscht. Die Partei Die Linke hatte zu einem Gespräch über Wasser eingeladen. „Wem gehört das Wasser?“ lautete das Thema. Und am Anfang stand die Frage von Moderator Wolfgang Cornelius: „Haben wir ein Wasserproblem?“ Die Antworten fielen eindeutig aus. In Lüchow-Dannenberg wird mehr Wasser verbraucht, als im Grundwasser neu gebildet wird. Über Ursachen und Auswege gab es unterschiedliche Gewichtungen.

Bild: Die Themen Wasser und Beregnung standen im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung der Partei Die Linke in Küsten. Aufn.: R. Groß
Henning Schulz (parteilos), Bio-Landwirt und Bürgermeister in Luckau, machte fehlende Niederschläge als Ursache aus. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sei eine Niederschlagsmenge von einem ganzen Jahr ausgeblieben, erklärte er. Er verwies auf eine bundesweite Statistik, nach der die Landwirtschaft nicht mehr als zwei Prozent des Wasserverbrauchs in Anspruch nehme.
Anmerkung der AG-Grundwasserredaktion
Damit stieß er allerdings nicht nur bei den rund 40 Zuhörern der Diskussionsrunde auf Widerspruch. Auch seine Mitdiskutanten lehnten seine Prozentzahl ab. Er sei ganz aufgeregt über diese Angabe, erklärte Uwe Barge, Leiter des staatlichen Forstamtes Göhrde. In fast allen Messbrunnen gebe es rote Pegelstände. Das Problem seien nicht geringere Niederschläge, sondern die hohe Wegnahme des Grundwassers.
Und von diesen Entnahmen geht regional der größte Anteil in die Landwirtschaft. In Lüchow-Dannenberg seien das im Mittel 78 Prozent, erklärte der Diplom-Ozeanograf und Wasserfachmann Dr. Erich Bäuerle. Die anderen Teilnehmer der Runde bis auf Schulz schlossen sich dieser Angabe an. Es nutze nichts, auf eine bundesweite Statistik zu verweisen, wenn regional völlig andere Werte für die Wasserentnahme gelten. Die drei Landkreise Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg seien „das Mekka der Beregnung“, erklärte Forstamtsleiter Barge. Nirgendwo werde so viel Grundwasser für diesen Zweck abgepumpt wie hier. Das Problem der sinkenden Grundwasserstände gebe es nicht erst seit gestern, hieß es.
Damit wolle er kein Bauernbashing betreiben, meinte Barge. Vielmehr gehe es um gemeinsame Lösungen für die Frage: „Wie kommt man mit weniger Wasser aus?“ Auch Schulz zog seine Äußerung mit den zwei Prozent zurück. Tatsache sei: Wasser ist knapp. Es müssten alle, nicht nur Landwirte, daran arbeiten, wie man mit der knappen Ressource umgehe. Die Landwirtschaft stehe mit dem Rücken zur Wand. Bioprodukte seien kaum noch zu verkaufen. „Wir können uns die Bioproduktion kaum noch leisten“, meinte er. Schon gar nicht sei für den einzelnen Landwirt eine technische Umrüstung auf wassersparende Techniken zu finanzieren.
Subventionen lenken
Dafür war er sich der Unterstützung der Diskussionsrunde und des Publikums sicher. Es sollte darum gehen, die Subventionen entsprechend zu lenken, lautete ein Vorschlag. Neben der finanziellen Unterstützung für technische Umrüstungen wurde als ein Mittel zum Grundwasserschutz das Zurückhalten von Wasser in der Landschaft angeführt. Er wundere sich, wie wenig Engagement in dieser Frage gezeigt werde, meinte Schulz, in dessen Gemeinde mehrere Staus in Entwässerungsgräben eingebaut wurden. Im Umgang mit dem Oberflächenwasser gab es in den vergangenen Jahren ein Umdenken in der Verwaltung, machte Landrätin Schulz deutlich. Es gehe nicht mehr nur um den Wasserabfluss, sondern auch um das Speichern von Wasser. Der Landkreis arbeite an einem Wasserbewirtschaftungskonzept.
Dazu werde es ein belastbares Gutachten über die tatsächliche Wasserentnahme geben. Denn in der Vergangenheit habe es unrechtmäßige Entnahmeerlaubnisse gegeben, bestätigte die Landrätin noch einmal. Dabei sollte auch der Einfluss der Elbe auf die Wasserstände in Lüchow-Dannenberg untersucht werden. Und dann wäre neben allem anderen auch noch das Konsumverhalten der Menschen, das seinen Einfluss auf den Wasserverbrauch habe, wie Erich Bäuerle anführte.
Die Richtigstellung:
Von den jährlichen Grundwasserentnahmen in Lüchow-Dannenberg fallen nicht
2 % auf die künstliche Beregnung (wie in Anlehnung an die deutschlandweit
gängigen Werte behauptet wurde) sondern
im Minimum im extrem feuchten Jahr 2017: 38 %
und
im Maximum im Jahr 2018: 85 %.
Nimmt man die genehmigten Werte für die Beregnung zum Maßstab, so ergibt
sich ein Wert von 77 % zugunsten der Beregnung gegenüber dem Verbrauch aus
Brauch- und Trinkwasser, der allerdings (glücklicherweise) in den Jahren vor
2018 nicht ausgeschöpft wurde.
Welch verheerendes Potenzial darin steckt, dass (bedingt durch den
Klimawandel und gesteigerte Ansprüche) diese Spanne ausgeschöpft werden
könnte (wie dies – legalerweise – in den vergangenen
5 Jahren mehr als erschöpfend getätigt wurde), liegt auf der Hand.
Diese Zahlen müssen als Tatsachen akzeptiert werden, wenn in Zukunft, auf der Basis von rationalen Gesichtspunkten, eine Chance bestehen soll, dass die Problematik der Grundwasserentnahmen gemeinsam angegangen und gelöst werden soll.
Dr. Erich Bäuerle