„Ein Vorzeigeprojekt“
VON DETLEF BOICK
Neues Kippwehr bei Prezier kostete 45 000 Euro
Prezier. An den unterschiedlichen Wasserständen vor und hinter dem neuen
Kippwehr am Wasserauslauf des Grabens 31 in den Lüchower Landgraben bei Prezier
kann man gut sehen, wie diese Sperre ihre Funktion erfüllt. Der rund zweieinhalb
Kilometer lange Graben mit einem Einzugsgebiet von mehr als einem
Quadratkilometer ist gut gefüllt. Zwischen Wehr und Lüchower Landgraben
plätschert das Wasser dagegen mehr als einen halben Meter tiefer über eine mit
Wasserbausteinen ausgekleidete Sohle. Mit einer großen Handkurbel kann Adolf
Tebel, der Vorsitzende des Wasser- und Bodenverbandes Lüchower
Landgrabenniederung, den Stand des Wehres zentimetergenau so regulieren, dass
das Wasser auf den südlich gelegenen Flächen gehalten wird und nicht einfach
abfließt. Dadurch trage das Wehr dazu bei, dass sich der Grundwasserstand im
Einzugsgebiet des Grabens wieder erhöht und dass der Graben im Sommer nicht
wieder austrocknet wie in mehreren Dürrejahren zuvor. „Ein Vorzeigeprojekt“,
betont Tebel.
Bild: Adolf Tebel verstellt mit einer Handkurbel das neue Kippwehr. Petra Bernady von der Ökologischen Station in Bergen hat die Planung und den Einbau des Wehres begleitet. Aufn.: D. Boick
Schon seit dem Herbst ersetzt die neue Anlage ein provisorisches Wehr, mit dem
der Wasserverband ausprobiert hatte, ob der Bau eines neuen Wehres sinnvoll ist.
Insgesamt 45 000 Euro habe die Anlage gekostet, berichtete Tebel. Für den
Förderantrag auf Mittel des Landes für nachhaltige Wasserwirtschaft hatte man
vor drei Jahren mit Kosten von rund 35 000 Euro kalkuliert. Das Land übernimmt
die Hälfte, habe aber das Geld noch nicht überwiesen, der Landkreis zahlt die
andere Hälfte und die Mehrkosten von rund
10 000 Euro.
Die Ökologische Station Wendland-Drawehn des BUND und des Niedersächsischen
Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Bergen
begleitet das Projekt und hat den Wasser- und Bodenverband bei der Umsetzung
beraten. Mit einem automatischen Pegelmesser ein paar Meter vom Wehr entfernt
wird nun alle zwei Wochen der Wasserstand des Grabens im Rahmen eines
kreisweiten Messsystems dokumentiert, erläutert Petra Bernardy, die Leiterin der
Ökologischen Station.
Auch an anderen Gräben in der Landgrabenniederung im Lemgow soll das Wasser mit
Wehranlagen zurückgehalten werden, erläuterte Tebel. Allerdings soll das mit
technisch einfacheren, aber auch regulierbaren Wehren geschehen, die günstiger
sind. Die neue Anlage dient auch dem Naturschutz. Zum Einzugsgebiet des
aufgestauten Grabens gehören nicht nur Äcker und Wiesen, sondern auch 40 Hektar
Naturschutzfläche mit einem besonderen Lebensraumtyp, der feucht gehalten werden
muss.