Protest gegen Preisdumping und für Wasserrechte
Landwirte blockieren Aldi-Filialen im Wendland und demonstrieren für den Erhalt ihrer Möglichkeiten, Felder im Bedarfsfall zu beregnen
VON ROUVEN GROSSDannenberg/Lüchow/Hitzacker. Zum Abschluss ihrer bundesweiten Protestwoche haben am Montag Landwirte erneut in Lüchow, Dannenberg und Hitzacker demonstriert. In Dannenberg und Lüchow blockierten sie am Vormittag für mehrere Stunden die dortigen Aldi-Filialen. Die Blockaden, an denen sich auch Handwerker und Spediteure beteiligen, waren eine Reaktion auf das Vorgehen des Discounters gegen demonstrierende Landwirte in Stelle bei Winsen. Dort hatten Landwirte ein Zentrallager des Discounters blockiert, nachdem sich Aldi geweigert hatte, auf Forderungen nach einem Bekenntnis zum ländlichen Raum, zur bäuerlichen Landwirtschaft und fairen Preisgestaltungen einzugehen. Nachdem das Unternehmen die Blockade des Lagers in Stelle, an der auch zahlreiche Lüchow-Dannenberger Landwirte teilnahmen, polizeilich beenden ließ, organisierten die Bauern kurzerhand eine Blockade aller Aldi-Filialen in ganz Norddeutschland. Diese hielten sie aufrecht, bis das Unternehmen gegen Mittag weitere Gespräche mit den Landwirten Wolfenbüttel anbot. Daraufhin lösten sich auch die friedlich verlaufenen Blockaden der Aldi-Filialen in Dannenberg und Lüchow auf.

Bild: Landwirte blockierten am Montagvormittag in Dannenberg und Lüchow die dortigen Aldi-Filialen mit ihren Traktoren. Aufn.: R. Groß
Zuvor hatten sich die Landwirte, Handwerker und Spediteure noch einmal ausdrücklich von Versuchen insbesondere der AfD distanziert, „uns und unsere Aktionen politisch für sich und ihre Zwecke zu missbrauchen“. Mitglieder der rechtspopulistischen Partei waren bei den Blockaden aufgetaucht und hatten teilweise Bilder von sich und den Landwirten gemacht und in ihren sozialen Netzwerken geteilt. Die Landwirte und Unternehmer Helmstedt forderten die Rechtspopulisten daraufhin auf, die Demonstrationen zu verlassen. „Wir sind nicht rechts, wir lassen nicht zu, dass hier versucht wird, uns für rechte Zwecke und Kampagnen zu benutzen“, so ein Sprecher der Landwirte.
Am Nachmittag versammelten sich dann mehrere Dutzend Landwirtinnen und
Landwirte mit Traktoren in Hitzacker. Im Vorfeld einer Veranstaltung des
Landkreises im Verdo zur künftigen Nutzung von Wasser in Lüchow-Dannenberg
stellten sie klar, dass die Belange der Landwirtschaft in Sachen Wassernutzung
beim Aufstellen künftiger Konzepte und Pläne „auf fachlich fundierter Basis
berücksichtigt werden müssen, nicht geleitet von Ideologie und auf Grundlage
willkürlich erhobener Statistiken“, so Johannes Heuer, Geschäftsführer des
Bauernverbandes Nordostniedersachsen. Ohne im Bedarfsfall auskömmlich beregnen
zu können, sei Landwirtschaft auch in Lüchow-Dannenberg nicht möglich. Man
fordere den Landkreis auf, endlich gemeinsam mit der Landwirtschaft auch
Alternativen zur Entnahme von Grundwasser zu schaffen – etwa
Niederschlagsspeichermöglichkeiten in der Fläche und Entnahmestellen an
Gewässern. „Wir sind bereit, bei all dem mitzuwirken. Nur muss das auch gewollt
sein – und es muss endlich mal losgehen“, kritisierte Heuer eine „unglaublich
schleppende Umsetzungspraxis auf Behördenseite“. Wie schon in Dannenberg und
Lüchow verlief auch die Aktion in Hitzacker friedlich und jenseits politischer
Vereinnahmungsversuche von rechts oder links.