Ein paar Jahre Geduld gefragt
Untersuchung der Grundwasserbewegungen zwischen Wendland und Altmark laut Kreisverwaltung sehr aufwendig
VON JENS HEYMANN
Lüchow-Dannenberg. Angesichts der fortlaufenden Bauernproteste in Deutschland und damit auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie des feuchten Wetters mit viel Wasser im Boden (EJZ berichtete) scheint es, als ob das noch im Sommer so akute Thema des Grundwasserabfalls erst einmal aus den Köpfen verschwunden ist. Ist es aber nicht – nicht bei den Behörden und auch nicht in der Kreispolitik. Aber es braucht offenbar seine Zeit.

Bild: Bei Diskussionen über Grundwasser kommt die Feldberegnung schnell ins Spiel. Archivaufn.: D. Boick
Groß war 2022 die Diskussion vor allem auf sachsen-anhaltinischer Seite
darüber gewesen, ob die Landwirtschaft im Wendland das Grundwasser durch
übermäßiges Beregnen aus dem südlichen Nachbarbundesland absaugt und deswegen
dort die Wasserstände leiden, etwa prominent beim Arendsee. Obwohl die dortige
Kreisbehörde vorrangig auf die Verdunstung während des heißen Sommerwetters
hinwies und Absaugtheorien zumindest öffentlich eher am Rande betrachtete,
entstand zusammen mit Lüchow-Dannenberg dennoch der Wunsch, die komplexen
Vorgänge im Boden zu untersuchen. Denn der betroffene Grundwasserkörper „Jeetzel
Lockergestein rechts“ erstreckt sich beiderseits der Landesgrenze – immerhin zu
38 Prozent nach Sachsen-Anhalt und dort hauptsächlich in Arendseer Gebiet
hinein.
Eine Nachfrage der EJZ beim Landkreis brachte nun zutage, dass die
Grundwasserfachleute den Sachverhalt wohl nicht vor Ende 2025 beurteilen können.
Dermaßen komplex sei es, die zugrunde liegenden Simulationsmodelle aufzubauen,
die in den Altmarkkreis Salzwedel hineinreichten und auch den Arendsee
betrachten sollen. Dafür arbeiten die Wasserfachbehörden beider Landkreise, also
auch des Altmarkkreises Salzwedel, zusammen, heißt es weiter.
Dem Gewässer fehlen nach Aussage von Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (CDU) derzeit noch 40 Zentimeter zum Normalstand. In der Altmark herrscht Zuversicht: Der Messpegel bei Zießau am Nordufer des Sees zeigt mit 123 Zentimetern fast 40 Zentimeter mehr an als noch vor zwölf Monaten. Klebe hatte seinerzeit die Magdeburger Staatskanzlei angerufen, um Klarheit in die Grundwasserdebatte zu bringen. Von dort sei aber lediglich die Antwort gekommen, die Situation zu beobachten und auf Landesebene mit Niedersachsen zu besprechen.
Unterdessen hat sich etwas bei der Kontrolle der Wasserentnahme im Wendland
getan. Dies spielte bei der Kreistagssitzung im Dezember 2023 kurz eine Rolle.
Die Soli-Fraktion hatte diesbezüglich bei der Kreisverwaltung nachgehakt. Diese
antwortete darauf, die Auflagen für die Erlaubnis der Grundwasserentnahme für
die Feldberegnung überarbeitet und finalisiert zu haben. So werde es Pflicht,
einen eichfähigen Wassermengenzähler fest an jedem Brunnen zu installieren. Dies
müsse auch nachgewiesen werden – spätestens vier Wochen vor der ersten
Beregnung, heißt es in der Antwort der Kreisverwaltung auf die Soli-Nachfrage.