Ziel: Das Wasser in der Fläche halten
Landkreis eröffnete Serie von Beratungen als Zukunftswerkstatt – zum Auftakt Landwirtschaft, Wasser und Naturschutz
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Hitzacker. Mit einem Dreiklang aus Landwirtschaft, Wasser und Naturschutz hat der Landkreis Lüchow-Dannenberg am Montag in Hitzacker eine Serie von Beratungen über die zukünftige Entwicklung des Kreises begonnen. Eingeladen sind alle Bürger, sich an den Überlegungen zu beteiligen. Der Anfang war begleitet von Protesten der Landwirte vor dem Veranstaltungsort, dem Verdo (EJZ berichtete). Doch draußen wie drinnen ging es anschließend ruhig zu. Drei Themenkreise – die Chancen der Landwirtschaft in einem Wasserversorgungskonzept, die Wasserrückhaltung und der Schutz von grundwasserabhängigen Ökosystemen – wurden nach einleitenden Referaten in Arbeitsgruppen bearbeitet.

Bild: Die Dringlichkeit einer Bewirtschaftung der Ressource Wasser erläuterte Referentin Mithra-Christin Hajati den Teilnehmern der Zukunftswerkstatt in Hitzacker. Aufn.: K.-F. Kassel
Weniger Grundwasser verfügbar
Die Dringlichkeit einer Bewirtschaftung der Ressource Wasser machte die
Referentin Mithra-Christin Hajati vom Landesamt für Bergbau, Energie und
Geologie (LBEG) deutlich. Die Vergleichszahlen mit der Periode zwischen 1960 und
1991 zeigten, dass die Sommer trockener und die Winter nasser würden. Doch trotz
leicht ansteigender Niederschläge sinke die Wasserverfügbarkeit. Das liegt nach
Hajatis Angaben an der höheren Verdunstung durch die steigenden Temperaturen.
Dadurch komme von den Niederschlägen weniger im Grundwasser an. Die letzten zehn
Jahre hätten eine niedrige Grundwasserverfügbarkeit gebracht.
Hajati stellte verschiedene Prognosen für die Grundwasserneubildung vor,
abhängig von dem jeweils für die Klimaentwicklung gewählten Szenario. Wenn das
Wasser, das im Winter zusätzlich anfalle, nicht versickern kann, weil es schnell
abfließt, könnten die Trockenheiten im Sommer noch größer werden, erklärte die
Referentin. Das könnte selbst bei gleichbleibender Grundwasserneubildung der
Fall sein, weil die sinkenden Grundwasserstände aus den Sommern nicht
ausgeglichen werden können.
Wechselwirkungen berücksichtigen
Parallel, aber unabhängig zu den Ausführungen in Hitzacker stellte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einer Pressemitteilung fest, dass die Grundwasserstände in Niedersachsen regional eine deutlich sinkende Tendenz aufweisen. Das gelte selbst ohne Berücksichtigung von Grundwasserentnahmen durch den Menschen. Die würden die Tendenz noch verstärken. Das sei das Ergebnis eines Forschungsprojektes, in dem die Folgen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft abgeschätzt wurden. Für Referentin Hajati in Hitzacker ergab sich aus den Prognosen die Folgerung: als Anpassung müsse das Wasser in der Fläche gehalten werden.
Lüchow-Dannenberg arbeite an einem Wasserversorgungskonzept, erläuterte Karin Bardowicks von der Unteren Wasserbehörde den Werkstatt-Teilnehmern. Dabei gelte es die Wechselwirkungen zwischen Oberflächen- und Grundwasser zu berücksichtigen, außerdem die Zu- und Abflüsse aus den Nachbarkreisen. Bei Niedrigwasser der Elbe etwa werde Grundwasser aus dem Landkreis abgezogen.
Verschiedene Felder
Nicht alle Stichworte, die Bardowicks nannte, waren für die Landwirte unter
den rund 180 Teilnehmern neu. Vieles davon mache man längst, hieß es. Es wäre
hilfreich, wenn der Landkreis nicht zu jeder kleinen Maßnahme der
Wasserrückhaltung ein förmliches Verfahren mit Gutachten und Beteiligung
eröffnen würde. In einem Fall habe man eine Rückhaltesperre sogar wieder abbauen
müssen.
Die Zukunftswerkstatt eröffnet hatte Landrätin Dagmar Schulz (parteilos). Sie
versprach, dass die Anregungen aus den verschiedenen Arbeitsgruppen bei den
weiteren Überlegungen berücksichtigt würden. Nicht jeder werde am Ende bekommen,
was er sich gewünscht hatte, meinte sie. Das Thema nachhaltige Wasserwirtschaft
soll der Auftakt sein für weitere Veranstaltungen. Es gehe darum zu erarbeiten,
„wie wir in Lüchow-Dannenberg auf den verschiedenen Feldern weitermachen
wollen“, erklärte Schulz – bei der Mobilität, beim Wohnen, in der Wirtschaft.