vom 18.06.2024

Rekord in den Niederungen

VON JENS HEYMANN

NLWKN und Wasserverbände beschreiben Grundwassersituation – Chemikalien ein wachsendes Problem

Lüchow-Dannenberg. Ein kühler Juni, immer wieder Regen – der Sommer 2024 steht bislang in starkem Kontrast zu den vorangegangenen Jahren, die sich durch hohe Temperaturen, viel Verdunstung und einen großen Wasserbedarf charakterisiert hatten. Doch teilen auch Fachleute diese Beobachtung? Im Kreisnaturausschuss stand das Thema Grundwasser nun auf der Tagesordnung – und die hiesigen Wasserverbände sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gaben Auskunft.

Bild: Nach ergiebigen Regenfällen waren Ackerflächen in Lüchow-Dannenberg – hier an der Jeetzel bei Lüchow – im Frühjahr nicht trocken, sondern gut durchnässt. Es hat sich selbst im Mai noch neues Grundwasser gebildet. Archivaufn.: J. Heymann

„Es hat seit Oktober 2023 sehr gute Niederschläge gegeben. Die Grundwasserstände haben sich dem angepasst“, erklärte Gerald Nickel vom NLWKN. Durch den Regen Ende Mai gehe er davon aus, dass sich zu diesem außergewöhnlichen Zeitpunkt noch einmal Grundwasser neu gebildet hat.

Höchststände in den Niederungen

Für die eine oder andere Messstelle in den Niederungsgebieten des Landkreises erwartet Nickel historische Höchststände, obwohl die Daten noch nicht ausgewertet seien. Das Wasservorkommen dort sei ohnehin recht stabil; in den Dürrejahren sei das Grundwasser zwar unter den mehrjährigen Mittelwert gefallen, dieser Verlust durch das nasse Halbjahr aber wieder aufgefangen worden.

Das Grundwasser in Geestbereichen habe durch den Regen der vergangenen sechs Monate wieder mittlere Verhältnisse erreicht, führte der NLWKN-Fachmann weiter aus. Die Bestände dort seien seit 2010 absteigend gewesen – mit einem historischen Niedrigstwert Ende 2022 an vielen Messstellen. Eine Ausnahme sei das feuchte Winterhalbjahr 2017/18 gewesen, erinnerte Nickel und warnte zugleich, dass danach ein trockener Sommer kam, in dem alle Wasservorräte „wie Schnee in der Sonne geschmolzen“ seien. Es sei erfreulich, dass das Grundwasser nun wieder ein gewisses Niveau erreicht habe, das außerdem in die Klimaprojektionen für Lüchow-Dannenberg passe. Die sagten nämlich eine relativ stabile Grundwasserneubildung voraus. Die Dürrejahre passten nicht dazu.

Kontinuierliche Verdunstung im Wald

„Sehr spannend“, weil anders, verhalte es sich in Geestgebieten mit Hochlagen und Wald, beschrieb Nickel im Ausschuss. In Drawehn und Göhrde sei wassertechnisch das alte Niveau noch nicht wieder erreicht; seit 2010 stellten die Experten dort einen kontinuierlichen Abfall fest. Nickel erklärte das damit, dass diese Gebiete tiefer gelegenes Areal speisen und unter Wald weniger Grundwasser neu gebildet werde als auf freier Fläche. Dazu komme der Verbrauch der Bäume selbst. „Wald verdunstet das gesamte Jahr Wasser“, sagte Nickel. Es gebe bei Nadelwald keine größeren Vegetationspausen mehr; die Temperaturen lägen häufig über dem Gefrierpunkt. Da gehe in der Summe viel Wasser verloren. Deswegen zeigten die Messstellen etwa im Drawehn auch keine signifikante Erholung, schloss der NLWKN-Fachmann.
Michael Scholz, Technischer Leiter für Trinkwasser des Wasserverbandes Dannenberg-Hitzacker, bestätigte diese Aussagen für sein Verbandsgebiet. Carsten Riebock, Geschäftsführer der Wasserverbände Höhbeck und Wendland, ergänzte, dass es für den Höhbeck Rekordpegelstände gebe, weil das Wasser „schön nach dort unten“ hinlaufe.

Nitrat und Abbauprodukte im Wasser

Die Wasserquantität ist das eine, die Qualität das andere. Dort schaue das NLWKN beispielsweise auf die Nitratwerte im Grundwasser. Nickel nannte Messstellen in Dangenstorf, Kähmen und Beesem als Beispiele, die Nitrat anzeigen. Dort gehe es mal rauf, mal runter – aber das Niveau der Nitratbelastung bleibe ungefähr gleich. Zwölf weitere Messstellen sollen im Kreisgebiet entstehen, kündigte Nickel an. Damit ließen sich die Messwerte auf breitere Füße stellen.

„Landauf, landab finden wir bestimmte Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln in vielen flachen Messstellen“, ging Nickel auf andere Stoffe über. Das NLWKN finde die Produkte besonders dort, wo auch Nitrat gefunden wird. Gleichzeitig sei es ein Hinweis, dass das Nitrat einen landwirtschaftlichen Ursprung habe. Außerdem seien sogenannte PFAS-Industriechemikalien im Grundwasser angekommen. Nickel nannte Trifluoressigsäure als Beispiel – „Die finden wir genauso wie diese Pflanzenschutzmittel.“ Michael Scholz erklärte, dass ihm die Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln Sorgen bereiten. „Wir beobachten das ganz genau“, sagte er und beschrieb die Möglichkeit, dass sich die Wasseraufbereitung je nach künftigen Anforderungen stark verteuern könnte.
 

Bearbeitet am: 18.06.2024/ad


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