Im Nordkreis steigt der Wasserpreis
VON ROUVEN GROSS
Zum 1. Juli: Wasserverband Dannenberg-Hitzacker erhöht Kubikmeterpreise und Grundpreis für Trinkwasser deutlich
Dannenberg. Das Trinkwasser im Lüchow-Dannenberger Nordkreis gehört zu den günstigsten in ganz Deutschland. Seit 2015 zum letzten Mal die Preise angepasst wurden, zahlt man in der Samtgemeinde Elbtalaue 80 Cent je Kubikmeter Trinkwasser. Allerdings nicht mehr lange: Der Wasserverband hat zum 1. Juli eine Preiserhöhung angekündigt, die erste deutliche Anhebung seit 40 Jahren. Um 17 Cent je Kubikmeter steigt der Trinkwasserpreis, 97 Cent werden 1000 Liter Trinkwasser also künftig in der Samtgemeinde Elbtalaue kosten. Immer noch nur halb so viel wie im Bundesschnitt und wesentlich günstiger als in den Hochpreisgebieten in Süddeutschland, wo der Kubikmeter gern auch schon einmal bis zu vier Euro kostet. Dennoch habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Wasserverbandsgeschäftsführer Dr. Klaus Horchelhahn. Denn natürlich sei die Preiserhöhung eine Belastung für die Kunden. Doch angesichts der in allen Bereichen steigenden Kosten habe man keine Wahl gehabt. Und man hoffe, dass die Kunden das verstehen.

Bild: Der Trinkwasserpreis in der Samtgemeinde Elbtalaue steigt deutlich. Grund sind laut Versorger die stark gestiegenen Kosten – und der sinkende Trinkwasserverbrauch. Aufn.: R. Groß
Höhere Kosten, teure Investitionen
Zum einen seien da die ganz allgemeinen Betriebskosten. „Energie ist teurer geworden, es hat hohe Tarifabschlüsse und damit große Steigerungen bei den Lohnkosten gegeben, Material ist teurer geworden. Das alles ist in die Neuberechnung des Wasserpreises eingeflossen und trägt mit zu der nötigen Anhebung bei“, erläutert der Wasserverbandsvorstand. Hinzu kämen notwendige und kostenintensive Anpassungen an den Klimawandel: „Anhaltende Hitzeperioden lassen die Nachfrage nach Wasser regional und temporär steigen und belasten das Leitungssystem an Spitzentagen zusätzlich“, so Horchelhahn. Auf der anderen Seite erfordern immer häufiger auftretende Starkregenfälle den Bau neuer Regenrückhaltebecken und die Einrichtung weiterer Versickerungsflächen. Das alles koste Geld – und diese Kosten müssten in jene für das Trinkwasser eingepreist werden. Gleiches gelte für immer größere Umwelteinflüsse und -anforderungen: „In unserer immer älter werdenden Gesellschaft steigt der Medikamentenverbrauch stetig an, was zunehmend im Wasserkreislauf spürbar wird. Wirkstoffe, die der menschliche Körper nicht vollständig aufnimmt, werden in immer größerer Menge ins Abwasser abgegeben. Ihre Entfernung erfordert eine aufwendige Technik mit hohen Investitions- und dauerhaft hohen Betriebskosten“, erläutert Horchelhahn.
Wasserverbrauch sinkt
Ein Problem und Kostenfaktor stelle auch die Tatsache dar, dass der Pro-Kopf-Wasserverbrauch seit Jahren rückläufig ist: Wurden 1990 noch 147 Litern pro Tag und Person verbraucht, waren es 2023 nur noch 120. Was gut ist für den Grundwasserspiegel, ist für die Wasserversorger ein Problem – und teuer: „Sinkende Trinkwassermengen pro Kopf verschärfen die bereits bestehenden Probleme der Infrastruktur. Damit gehen für die Wasserwirtschaft erhöhte Kosten für vermehrtes Spülen der Leitungen, Anpassungen der Dimensionierungen bis zum Rückbau von Netzen und Anlagen einher“, sagt der Wasserverbandsvorstand. Die dadurch entstehenden Fixkosten sollen von allen Verbrauchern gemeinsam getragen werden, betont Horchelhahn, daher habe man diese Kosten in die Neuberechnung des Grundpreises einbezogen, der künftig pro Wasserzähler bei 90 statt bei 30 Euro liegen wird. Gleichzeitig schafft der Wasserverband den verbilligten sogenannten „Gartenwasser-Tarif“ ab: Für Nebenzähler gelten künftig die gleichen Wasserpreise wie für die Hauptzähler, allerdings bleibt der Grundpreis deutlich günstiger.
Weiter „im extrem günstigen Bereich“
Bei einem durchschnittlichen Haushalt liegt die Mehrbelastung laut
Horchelhahn voraussichtlich bei rund 75 Euro im Jahr. „Das ist viel Geld, das
ist uns bewusst. Aber mit einem Preisanstieg von 53 Prozent seit 1982 liegen wir
immer noch weit entfernt von dem generellen Preisanstieg in der gleichen Zeit,
der bei mehr als 150 Prozent liegt“, betont Dr. Horchelhahn: „Und selbst mit der
Erhöhung liegen die Wasserpreise innerhalb der Samtgemeinde Elbtalaue immer noch
im Vergleich zu anderen Regionen und Bundesländern im extrem günstigen Bereich.“