LANDESAMT BEWERTET WASSERHAUSHALT
In Rekordzeit erholt
Der Winter war der nasseste im Land seit Beginn der Aufzeichnungen. Spuren
davon finden sich noch immer hier und dort. Die Grundwasserbestände haben sich
erholt. »

Drei Monate statt Jahre
VON JENS HEYMANN
Landesbehörde: Grundwasserbestände haben sich im Rekordtempo erholt – Kreislandwirt warnt aber vor Parallelen zum ersten Dürrejahr 2018
Lüchow-Dannenberg. Von einem Extrem ins nächste – bei den Grundwasserständen ist dies die Einschätzung des niedersächsischen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). In keinem Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Niedersachsen sei so viel Niederschlag verzeichnet worden wie im zurückliegenden Winter, so das LBEG. Wo vorher Trockenheit herrschte, gab es plötzlich Wasser im Überfluss.

Bild: Reifenspuren auf einem Feld bei Lüchow: Vielerorts können Landwirte ihren Boden nach den vielen Regenfällen der vergangenen Monate wieder befahren. Aufn.: J. Heymann Reifenspuren auf einem Feld bei Lüchow: Vielerorts können Landwirte ihren Boden nach den vielen Regenfällen der vergangenen Monate wieder befahren. Aufn.: J. Heymann
Auch der Landkreis Lüchow-Dannenberg war davon nicht ausgenommen. Karten des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Klimawandel, kurz NIKO, in dem das LBEG mitarbeitet, zeigen für September 2023 noch Trockenheit, ab Oktober bis Februar dieses Jahres dann Niederschlagswerte, die an einigen Orten bis zu 180 Prozent über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 liegen.
Die stärksten Regenwerte gab es im Dezember; auch der Februar brachte laut
den Daten des NIKO mehr Niederschlag als im Durchschnitt. Dazwischen gab es
allerdings mit dem Januar einen der Regenmenge nach normalen Monat.
Erstaunlich gut abgezogen sei das Wasser mittlerweile, stellte
Lüchow-Dannenbergs Kreislandwirt Adolf Tebel fest. Viele Wege seien wieder gut
befahrbar; seit fast drei Wochen habe es nicht mehr geregnet.
Landwirtschaft hat Feldarbeit aufgenommen
Die Arbeit auf den Feldern sei – da, wo es geht – angelaufen, erläutert Tebel. Die Bauern hätten erste Kartoffeln gepflanzt und Getreide eingedrillt.
In den Blickpunkt der Hydrologieexperten rückt unterdessen zunehmend die Dynamik der Umweltvorgänge. So sei es nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass sich die durch die Dürrejahre seit 2018 belasteten Grundwasserleiter derart schnell erholen, sagt Axel Lietzow vom LBEG.
Unter durchschnittlichen Bedingungen hätte es Jahre gedauert, um die
aktuellen Grundwasserstände zu erreichen. So waren es gerade einmal drei Monate.
Die Folge: Debatten über Feldberegnung seien in diesem und vielleicht auch im
nächsten Jahr voraussichtlich nicht zu erwarten. Die Grundwasserneubildung stoße
gerade im Winter auf günstige Bedingungen, heißt es sinngemäß von
LBEG-Hydrogeologin Gabriele Ertl: weniger Wasserbedarf durch die Vegetation,
niedrige Temperaturen und damit geringere Verdunstung als im Sommer. Das
bedeutet, dass Niederschlag auch im Boden versickern könne.
Das viele Wasser hat für die Landwirte des Landkreises aber nicht nur Gutes
gebracht. Für Bauern bedeute es einen erheblichen Mehraufwand, Wassermassen
beiseite zu bekommen, sagt Adolf Tebel. Zu viel Wasser sorgt außerdem für
Aufwuchsschäden – etwa beim Wintergetreide, benennt das Landesamt. Ein Überfluss
an Sonne mache hingegen zunächst einmal keine Arbeit, bringe aber Verluste,
ergänzt der Kreislandwirt.
Dürren nicht ausgeschlossen
Die Experten des LBEG geben trotz des vielen Regens der vergangenen Monate keine Entwarnung, was das Auftreten künftiger Dürren betrifft. Das hatte zu Jahresbeginn auch schon die Lüchow-Dannenberger Kreisverwaltung getan und auf den Umschwung vom feuchten 2017 zum trockenen 2018 hingewiesen. Auch Adolf Tebel habe dieses erste Dürrejahr noch vor Augen und sieht potenzielle Parallelen. Denn der Grundwasserbestand sei zwar damals wie heute gut aufgefüllt, aber falle nun im April und Mai kein Regen, könnte es sein, dass Bauern wieder beregnen müssten, so Tebel. Dieses Jahr wenigstens mit ruhigerem Gewissen als zuvor, weil der Boden die notwendigen Reserven habe.
Hoffnung auf Regen
Tebel wünsche sich, dass Niederschläge fallen, wenn sie gebraucht werden. Auch deshalb, damit Ruhe in die Beregnungsdiskussion komme. Gabriele Ertl vom LBEG räumt dem Rückhalt von Wasser in der Fläche eine zunehmende Bedeutung ein. Bei der Grundwasserneubildung werde ohnehin nicht nur auf einen einzelnen Winter, sondern auf Jahrzehnte geschaut.
Axel Lietzow bringt noch einen interessanten Nebenaspekt ein. Die niedrigen Grundwasserstände hätten dazu beigetragen, das Hochwasser zu entschärfen. Deutlich kritischer wäre diese Phase verlaufen, hätte es schon im Frühherbst 2023 hohe Grundwasserstände gegeben.