vom 10.12.2025

Nur Stichproben, kein Monitoring

VON DETLEF BOICK

Naturschutzausschuss des Kreistages für mehr Informationen und bessere Überwachung der Dioxin- und PCB-Belastung an der Elbe

Lüchow. Gibt es an der Elbe immer noch größere Dioxin- und PCB-Probleme? Wenn ja, worin genau bestehen sie und wie groß sind sie? Diese Fragen sind während der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Naturschutz, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft und Veterinärwesen nicht zur Zufriedenheit der Ausschussmitglieder beantwortet worden. Dabei hatte die Kreisverwaltung Expertinnen und Experten von Landesbehörden zur Sitzung im Kreishaus eingeladen. Sie waren per Video zugeschaltet, um die Fragen von Kurt Herzog (Soli) zu beantworten, der detaillierte Informationen zur Dioxin- und PCB-Belastung an der Elbe fordert. „Es gibt aktuell nichts Greifbares zu den Werten“, kritisierte Herzog. Er könne aber nicht feststellen, dass sich die Situation entspannt habe.

Hohe Dioxin-Werte in den 2000er-Jahren festgestellt

In den 2000er-Jahren – nach dem ersten Jahrhunderthochwasser der Elbe – seien erhebliche Dioxin- und PCB-Belastungen an der Elbe in Lüchow-Dannenberg festgestellt worden, erinnerte der Kreistagsabgeordnete. Die Behörden hätten damals teilweise verboten, das Heu von diesen Flächen an der Elbe zu verfüttern, Milch von Kühen, die dort weideten, zu verkaufen oder gar diese Flächen überhaupt zu bewirtschaften.

 

Bild: Giftstoffe haben sich vor allem mit dem Sediment der Elbe bei Überschwemmungen im Elbvorland abgesetzt. Foto: R. Groß


Die zuständigen Ministerien und Behörden hätten die gemessenen Werte von Dioxin- und PCB-Gehalten in Gras, Silage, Heu und Sedimenten – auch binnendeichs – in Produkten aus Tierhaltung und Fischerei den politischen Gremien in Lüchow-Dannenberg übermittelt, die sie mit Behördenvertretern diskutierten, berichtete der Kreistagsabgeordnete. Dieses Verfahren sollte nach Ansicht der Soli-Kreistagsfraktion wieder aufgenommen werden. „Ich möchte einen generellen Einblick, wie die Situation jetzt ist“, verlangte Herzog. Das sei notwendig, weil es sich bei diesen Schadstoffen um Belastungen handele, die nicht verschwinden oder abgebaut würden.

Kein finanzieller Ausgleich

In der später verfassten Betroffenheitsanalyse seien damals eine Reihe von Maßnahmen aufgelistet worden, die die Situation verbessern sollten, schilderte Herzog. Allerdings sei danach weder ein ausführlicher Sachstandsbericht über die Umsetzung der Maßnahmen noch über ihre Evaluierung veröffentlicht und diskutiert worden. In der Zusammenfassung der Betroffenheitsanalyse habe es geheißen, dass es sich bei der Dioxin- und PCB-Belastung des Elbvorlandes um ein gesamtgesellschaftliches Problem handele. Die Einkommensverluste der Landwirte müssten finanziell ausgeglichen werden, berichtete der Kreistagsabgeordnete aus der Betroffenheitsanalyse. Das sei jedoch nicht geschehen.

Noch 2012 hätten die Behörden in einigen Fleisch- und Milchproben zu hohe Werte an Dioxin und PCB gemessen, monierte er. Herzog erinnerte zudem an Hinweise aufgrund des Flussmonitorings, nicht zu viel und zu oft Fisch aus der Elbe zu essen. Doch seit 2012 werde der Landkreis weder von den Behörden informiert, noch gebe es mit ihnen einen guten Austausch über die Problematik. Bei einer Sitzung des Fachausschusses im Mai 2025 hatte die damalige Fachdienstleiterin des Veterinärwesens, Dr. Birgit Mennerich-Bunge, berichtet, bis 2020 habe es noch regelmäßige Treffen gegeben, auf denen Informationen ausgetauscht wurden. Doch diese Treffen seien danach eingeschlafen.

Wilhelm Struck von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen betonte, die Kammer unterstütze die Landwirte beim verantwortungsvollen Umgang mit dem Problem. Die Vorgabe sei, sauber zu arbeiten. Die schlechteste Nutzung sei die Beweidung, die beste die Heuernte. Letztendlich seien die Landwirte dafür verantwortlich, dass sie mit ihren Produkten die Grenzwerte einhielten.

Landkreis nicht zuständig

Dr. Karin Bardowicks von der Kreisverwaltung betonte, der Landkreis sei als Untere Wasserbehörde nicht zuständig und habe deshalb keine aktuellen Informationen über Dioxin- oder PCB-Werte. Zuständig seien die Bundesbehörden, deren Messergebnisse im Internet verfügbar seien. Während der Ausschusssitzung informierte Uwe Hammerschmidt vom LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie), es gebe Anhaltspunkte, dass der Dioxingehalt im Oberboden langsam zurückgehe. Das wisse die Behörde durch Messungen auf Dauerbeobachtungsflächen, beispielsweise im Überschwemmungsgebiet bei Gorleben, die alle zehn Jahre untersucht würden, zum nächsten Mal im Jahr 2026.

Hammerschmidt schränkte jedoch ein, der Dioxingehalt sei so hoch, dass es einige Jahre dauern würde, bis die Stoffe abgebaut seien. Allerdings werde Dioxin auf diesen Flächen an der Elbe nie verschwinden, weil es ständig durch das Wasser neu in das Sediment eingetragen werde, erläuterte Hammerschmidt. Der LBEG-Experte riet, zu vermeiden, dass Menschen mit den Sedimenten der Elbe in Kontakt kommen: Es schade nicht, sie darauf hinzuweisen.

Zum Erstaunen der Ausschussmitglieder teilte Dr. Katrin Dirks vom Laves (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) mit, dass es derzeit kein engmaschiges Monitoring des Dioxin- und PCB-Werte an der Elbe gebe. Ihre Laves-Kollegin Claudia Wenzel ergänzte, es werde stichprobenartig untersucht. 2025 seien beispielsweise bei drei Proben von Rohmilch keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Dr. Dirks riet, dass sich der Landkreis an das Land wenden sollte – das Laves könne die Frage nicht beantworten, warum es kein Monitoring gebe. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium müsste ein solches Monitoring aufsetzen.

Der Unmut über die unsystematische Dioxin- und PCB-Überwachung war im Ausschuss förmlich zu spüren. „Die Daten müssen erhoben werden, von wem auch immer,“ betonte Alexander Haase-Mühlner (SPD). Sein Fraktionskollege Nobert Schwidder ergänzte: „Ich sehe da einiges an Aufgaben.“ Und Horst Kaufmann (CDU) versprach: „Wir bleiben da dran.“

Einstimmig empfahl das Gremium, wie weiter vorgegangen werden solle. Dem Landkreis sollten alle verfügbaren Messergebnisse übermittelt werden. Außerdem soll das Kreisveterinäramt 15-mal pro Jahr Fleisch- und Milchproben aus den betroffenen Flächen an der Elbe untersuchen. Zudem fordert der Fachausschuss, dass das Bundesamt für Gewässerkunde dem Landkreis regelmäßig die Sedimentwerte übermittelt und sie, wenn notwendig, mit Warnhinweisen versieht.
Außerdem sollen Vertreter des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums sowie vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in den Fachausschuss eingeladen werden. Vom ArL erwartet man Infos zu eventuellen Belassungen von binndendeichs gelegenen Flächen.

DIOXINE UND PCB
Hochgiftige chemische Verbindungen

Dioxin ist eine Sammelbezeichnung für hochgiftige chemische Verbindungen, die hauptsächlich bei Verbrennungen entstehen. PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, dabei handelt es sich um eine Gruppe von Kohlenwasserstoffverbindungen, die als extrem giftig und krebsauslösend gelten. Diese Umweltgifte gelangen vor allem bei Hochwasser durch die Sedimente im Elbwasser in die Überschwemmungsbereiche des Flusses.

 

 



 

Bearbeitet am: 10.12.2025/ad


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