Hightech für Gewässer
VON ROUVEN GROSS
In Lüchow-Dannenberg erfasst künftig ein Netz aus Sensoren die Wasserstände der wichtigsten Flüsse, Kanäle und Gräben – zugunsten von Natur und Landwirtschaft
Penkefitz. Es ist nur ein kleiner grauer Kasten. Eigentlich. Er sitzt am Ende eines kleinen Metallarms, der an der Betonwand des Auslasses des Penkefitzer Schöpfwerkes angebracht ist, und fällt eigentlich gar nicht weiter auf. Doch in dem kleinen Kasten steckt Hightech: ein Ultraschallsensor und ein kleiner Sender. Zusammen sollen sie helfen, die Wasserwirtschaft in Lüchow-Dannenberg zu optimieren. Sie sollen helfen, besser auf Dürren zu reagieren und mögliche Hochwasserereignisse zu erkennen, bevor sie zu einer Gefahr werden. Und sie sollen helfen, Energie zu sparen. Sehr viel Energie sogar – und damit letztendlich auch viel Geld, das ansonsten vom Steuerzahler in allen Lüchow-Dannenberger Kommunen bezahlt werden müsste.
60 Sensor-Standorte
Die Messtechnik wird an insgesamt 60 Standorten verteilt über ganz Lüchow-Dannenberg installiert. „An allen Schöpfwerken, die vom Unterhaltungsverband Jeetzel-Seege betrieben werden, und an allen Wehren. Und dann noch an wichtigen Stellen, etwa dort, wo Gewässer zusammenfließen“, erläutert Jan Seide. Er arbeitet im Rahmen der sogenannten Gewässerallianz Niedersachsen – einer landesweiten Kooperation lokaler Unterhaltungsverbände, Naturschutzbehörden und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – beim Unterhaltungsverband und leitet das Projekt.

Bild: 60 Standorte in ganz Lüchow-Dannenberg bestücken Jan Seide und seine Mannschaft für die Gewässerüberwachung. Die Daten laufen an fünf Stationen zusammen und gehen von dort zum Unterhaltungsverband nach Lüggau. Foto: R. Groß
Die Sensoren messen per Ultraschall alle zehn Minuten die Entfernung der Wasseroberfläche und senden die Zahl per Funk an eine von insgesamt fünf Empfängerstationen, die im Kreisgebiet verteilt sind. Auf dem Höhbeck etwa sitzt solch eine Empfängerstation auf einem der Tanks der Biomosterei Voelkel, eine andere auf einem hohen Gebäude der Firma Steinicke in Seerau in der Lucie. Auch bei Landwirt Markus Kaufmann in Trabuhn ist eine Station auf einem Silo verbaut, eine weitere am Clenzer Rathaus und die letzte auf dem Betriebshof des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände in Lüggau.
Wasserstände in Echtzeit
Von diesen Stationen aus gehen die Infos über die Wasserstände direkt auf die Bildschirme der Wasserwirtschafter. „Und dort kann man dann in Echtzeit absehen, ob Gewässer, etwa Kanäle oder Gräben, leer laufen, weil es zu wenig geregnet hat. Um das Wasser in der Fläche zu halten, können dann die Wehre hochgezogen werden. Das hilft dann sowohl der Landwirtschaft, deren Äcker nicht trocken fallen, als auch der Natur, weil Feuchtgebiete nicht entwässert werden“, erläutert Jan Seide. Aber auch wenn es viel regnet oder Gewässer Hochwasser führen, kann man das künftig schon im Vorfeld an steigenden Wasserständen erkennen. „Damit können wir dann genauer regeln, wann etwa die Schöpfwerke anfangen müssen zu pumpen. Das spart Energie, sogar ziemlich viel Energie, weil die Pumpen echte Stromfresser sind“, erläutert Jan Seide. Dieses Mehr an Effizienz kommt dann auch – indirekt – den Bürgerinnen und Bürgern zugute: Weil die Kosten für den Einsatz der Pumpen vom Unterhaltungsverband getragen werden, fließen sie nämlich auch ein in die Berechnung der von den Gemeinden zu zahlenden Umlage. Und die wiederum muss höhere Kosten irgendwann an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben. Etwa über das Erhöhen der Grundsteuern.
Kosten: rund 50.000 Euro
Insgesamt kostet das Projekt rund 50.000 Euro. Bezahlt wird das sowohl vom Unterhaltungsverband Jeetzel-Seege als auch von der Gewässerallianz, die wiederum vor allem vom Land Niedersachsen finanziert wird. „Für uns haben die Sensoren einen großen praktischen Wert – Diebe können sich die Mühe, sie zu klauen, aber tatsächlich sparen: Die verbaute Technik wäre nach einer möglichen Demontage nutzlos, da jeder Sensor für nur diesen einen Einsatzzweck konfiguriert ist und sich der eigentliche Materialwert in engen Grenzen hält“, lächelt Jan Seide. Und: Auch ein abgebauter Sensor kann weiterhin geortet werden. „Es wäre für Diebe also ein kurzes Vergnügen“, so Seide.
Nur kleine Datenmengen
Auch über eine mögliche zusätzliche Belastung mit Funkstrahlung macht er sich
keine Sorgen: „Die Sensoren verschicken alle zehn Minuten eine Datenmenge, die
so klein ist, dass die Gesamtmenge aller Daten im ganzen Jahr nicht einmal der
Menge entspricht, die anfällt für das Versenden eines einzigen Bildes per
Whatsapp“, erläutert er.