NACH LANGER TROCKENHEIT
Viel zu wenig Elbwasser
Extremes Niedrigwasser sorgte in den zurückliegenden Wochen für große Probleme an und auf der Elbe – dabei hat der Hochsommer noch nicht einmal begonnen.

Fast am Tiefpunkt
VON ROUVEN GROSS
Regenfälle in Tschechien und Sachsen lassen die Elbpegel seit einigen Tagen wieder leicht ansteigen. Doch der Hochsommer hat nicht einmal angefangen
Hitzacker/Dömitz. Es war knapp. Nach mehreren Monaten mit deutlich zu wenig Niederschlägen hatte der Wasserstand der Elbe an den Lüchow-Dannenberger Messstellen in den zurückliegenden Tagen beinahe seine historischen Tiefststände aus den Jahren 1947 und 2018 erreicht. In Schnackenburg etwa fehlten nur sechs Zentimeter und der Pegel hätte die 64 Zentimeter unterschritten, die er am 25. September 1947 erreicht hatte. In Hitzacker fehlten am Montag noch sechs Zentimeter zum Tiefststand von 59 Zentimetern vom 30. August 2018, und in Neu Darchau war es gar nur ein Zentimeter, und der Rekordniedrigpegel von 63 Zentimetern vom 4. September 2018 wäre gerissen worden.

Bild:Eines der Buhnenfelder der Elbe bei Damnatz war am Montag noch zu einem erheblichen Teil trocken gefallen – eine Todesfalle für Große Flussmuscheln, die so zur leichten Beute für Vögel wurden. Foto: R. Groß
Ebenso im mecklenburgvorpommerschen Dömitz auf der anderen Elbseite. Zwar erholen sich die Wasserstände überall wieder, zuletzt stieg der Wasserstand nach etwas ergiebigeren Regenfällen im Einzugsgebiet der Elbe wieder um 20 Zentimeter, doch von einer Normalisierung kann längst nicht die Rede sein.
Häfen und Fahrrinne gesperrt
Die Häfen von Dömitz, Hitzacker und auch Neu Darchau sind weiterhin nicht erreichbar, Boote liegen dort fest, auch das Fahrgastschiff „Elise“, das im Hafen von Damnatz festgemacht hat. Die Schifffahrt auf der Mittelelbe war vor einigen Tagen offiziell eingestellt worden, die Fahrrinnentiefe betrug teilweise nur noch 40 Zentimeter – so wenig, dass selbst kleine Sportboote sich regelmäßig festfuhren. Und neben der Neu Darchauer Fähre „Tanja“, die seit Monaten wegen Niedrigwasser in ihrer Werft in Lauenburg festsitzt, stellten nach und nach auch alle anderen Fähren im Bereich der Lüchow-Dannenberger Elbe den Betrieb ein.
Entspannung nach Regenfällen
Jetzt zeichnet sich leichte Entspannung ab. Es hat geregnet, in Lüchow-Dannenberg selbst nur verhältnismäßig wenig, aber im Haupteinzugsgebiet der Elbe, in den tschechischen und sächsischen Mittelgebirgen, kam deutlich mehr Regen herunter. Der Wasserstand des Flusses steigt seit Montag wieder an. Ob sich in den nächsten Tagen eine Normalisierung des Wasserstandes und damit auch wieder eine Schiffbarkeit einstellt, hängt davon ab, wie sich die Niederschlagssituation weiterentwickelt. Nach Prognosen der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsbehörden könnte das der Fall sein, wenn die angekündigten Niederschläge in Ostdeutschland eintreffen, wie sie vorausgesagt sind. Allerdings, warnt man dort, habe der Hochsommer gerade erst angefangen – und die Elbe erreicht ihre Niedrigstwasserstände normalerweise erst im August und September.
Was bedeuten „Pegel“ und „Fahrwassertiefe“?
Wenn es um den Wasserstand der Elbe geht, tauchen zwei Begriffe immer wieder
auf: Zum einen ist vom „Pegel“ die Rede, zum anderen von der „Fahrwassertiefe“.
Beide Werte stehen in unmittelbarem Zusammenhang miteinander, liegen jedoch
immer weit auseinander. Mehr noch: Der Pegelstand kann an einem Messpunkt ganz
anders aussehen als beim direkt benachbarten Messpunkt. Etwa wenn in Dömitz ein
Pegelstand von vier Zentimetern gemeldet wird, in Damnatz aber 64 Zentimeter
angezeigt werden.
Der „Pegel“, so erläutert es Daniel Richter vom Lüchow-Dannenberger Kreisverband
der Wasser- und Bodenverbände, bildet nämlich mitnichten den tatsächlichen
Wasserstand der Elbe an der jeweiligen Messstelle ab, sondern nur, wie hoch der
Fluss dort jeweils an dem „Pegel“, also dem Messinstrument, steht. Und das hängt
immer davon ab, wo dieser „Pegel“, eine gelbe Messlatte mit einer schwarzen
Skalierung, angebracht ist – und wie tief die Elbe an dieser Stelle ist. Wenn in
Dömitz der „Pegelstand“ also etwa vier Zentimeter anzeigt, dann heißt das nicht,
dass die Elbe dort nur vier Zentimeter tief ist, sondern dass das Wasser dort am
Pegel nur vier Zentimeter hoch steht.
„Der Fluss selbst ist dort teilweise viel tiefer, teilweise ein oder auch
zwei Meter“, erläutert Richter. Besonders tief ist er innerhalb der sogenannten
Fahrrinne, einer vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt überwachten und
festgelegten Linie in der Elbe, auf der sich die dort fahrenden Schiffe und
Boote bewegen sollen, weil dort das Wasser tief genug ist. Wenn denn Wasser da
ist.
Diese Fahrrinne wird regelmäßig kontrolliert und neu vermessen, sie wird durch
sogenannte Fahrwasserzeichen an Land und im Fluss selbst gekennzeichnet und ihre
Tiefe anhand der gemeldeten Pegelstände täglich neu errechnet.