WaBo: Heftige Kritik an Verwaltungen
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Ideales Jahr beim Wetter, Probleme mit Behörden
Ranzau. Das vorige Jahr war aus landwirtschaftlicher Sicht nahezu ideal, jedenfalls, was das Wetter betrifft. Mit dieser Feststellung leitete Verbandsvorsteher Jürgen Wilhelm Webs in der vorigen Woche die Versammlung des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände (WaBo) in Ranzau ein. Die starken Wetterschwankungen werden nach Ansicht von Verbandsgeschäftsführer Sven Ebeling bleiben. Für seine Organisation bedeutet das Mehrarbeit. Denn frühere Vegetationsperioden heißen, dass Gewässer dreimal im Jahr gemäht werden müssen. Ohnehin sei 2024 ein arbeitsreiches Jahr gewesen mit extrem hohen Ausfallzeiten bei den Beschäftigten durch Krankheit und schwere Verletzungen. Die Verbandsversammlung verabschiedete einstimmig den Haushalt des Kreisverbandes für das laufende Jahr.

Bild: Der WaBo-Kreisverband ärgert sich, dass bei Genehmigungen für Beregnung geschätzte Werte angelegt werden. Archivfoto: R. Groß
So ideal das Wetter für Landwirte war, so problematisch sieht der Verband sein Verhältnis zu Behörden. In der Versammlung wurde deutlich Kritik geäußert über zugesagte, aber ausbleibende Finanzierungen und Genehmigungen sowie über den hohen bürokratischen Aufwand. Adressaten der Kritik waren die Landesregierung, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die N-Bank und die Untere Wasserbehörde des Landkreises. Geradezu empört äußerten sich Verbandsvertreter darüber, dass die Kreisverwaltung in der Versammlung nicht vertreten war. Sie werteten das als mangelnde Wertschätzung für die Tätigkeit der Organisation. Dabei übe diese ihre Funktion mit viel ehrenamtlichem Einsatz für das Land und den Landkreis aus, hieß es.
Dauerbrenner Feldberegnung
Zum Verband gehören die Beregnungsverbände, in denen viele Landwirte organisiert sind. Deshalb ist die Feldberegnung ein wiederkehrendes Thema in den Verbandsversammlungen. Es sei bedauerlich, dass bei den Genehmigungen für die Beregnungsmengen nicht Echtwerte aus Messungen verwendet würden, sondern Schätzungen, meinte Verbandsvorsteher Webs. Der Geschäftsbericht stellt fest, dass an einigen Messstellen vor einem Jahr Höchststände beim Grundwasser gemessen wurden. Generell hätte sich das Grundwasser nach den Trockenjahren 2018 und 2019 „weitgehend erholt“. Nur im Drawehn sei der Grundwasserstand noch nicht auf altem Niveau. Ende 2025 soll ein Gutachten fertig sein. Damit soll ermittelt werden, wie viel Grundwasser links der Jeetzel für die Beregnung zur Verfügung steht.
Der Verband vermeldet eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Biosphärenreservats im Bereich Seege. Die Unterhaltungs- und Deichverbände seien an guter und konstruktiver Zusammenarbeit interessiert, heißt es dazu im Geschäftsbericht. Die Versammlung erhielt zudem Informationen über die Diskussion um ein Sperrwerk oder einen umfassenden Deichbau an der Seege sowie über die Erhöhung der mobilen Schutzwand in Hitzacker. Der NLWKN sei dabei bis zuletzt ein Bedenkenträger gewesen, klagt der Kreisverband. Aktuell gebe es die Zusage von der Landesregierung, sodass die Planungen fortgesetzt werden könnten.
Kritik an Land und Landkreis
Beim Thema Gewässerunterhaltung beklagt sich der Verband über Vorgaben der Unteren Wasserbehörde. Die hätten vermehrt zum Stillstand der Arbeiten geführt. Die Behörde solle mehr Augenmaß an den Tag legen und pragmatische Ansätze verfolgen, heißt es im Geschäftsbericht. Für bedenklich hält der Verband den Plan des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, die Nutria aus dem Jagdrecht zu nehmen. Das würde zu kaum bezifferbaren Schäden führen, heißt es.
Der Haushalt des Kreisverbandes wurde von der Versammlung einstimmig mit 3,41
Millionen Euro in Einnahmen und Ausgaben verabschiedet. Die Beitragssätze in den
Mitgliedsverbänden blieben weitgehend unverändert, hieß es.