vom 08.03.2025

„Wir kommen einfach nicht voran“

VON ROUVEN GROSS

Der Dialogprozess Hochwasserschutz für den Ostkreis ist festgefahren. Jetzt soll eine kleine Arbeitsgruppe Ergebnisse liefern

Schnackenburg. Man sieht Sven Ebeling die Frustration an. Wenn der Geschäftsführer des Gartower Deich- und Wasserverbandes über den vor mehr als zwei Jahren mit großen Erwartungen und vielen Vorschusslorbeeren gestarteten „Dialogprozess Hochwasserschutz Seegeniederung“ spricht, gehen seine Mundwinkel sichtbar nach unten. „Absoluter Stillstand. Wir kommen nicht voran. Wir sitzen seit zwei Jahren fest. Das ist absolut frustrierend“, sagt Ebeling.

Bild: Eigentlich sollte das Verstärken der Laascher Deiche aus dem Gesamtvorhaben „Hochwasserschutz Seegeniederung“ herausgelöst und dann schneller, weil drängender, abgearbeitet werden. Doch das Vorhaben stockt – es liegt, heißt es, an Formalien. Foto: R. Groß

Denn eigentlich war das deutschlandweit einzigartige Format des Miteinanders von Hochwasser- und Naturschutz im Vorfeld eines großen Bauvorhabens gedacht, um die Prozesse, die Verfahren zu beschleunigen. „Heute muss man sagen: Das hat nicht geklappt“, sagt Ebeling. Trotz „guter Ansätze“, die man in Teilen erzielt hatte. Die fast schon letzte Hoffnung ruht auf der nächsten und möglicherweise letzten Veranstaltung des „Dialogprozesses“ am Montag, dem 10. März: Dort soll versucht werden, aus der Runde heraus eine kleinere Arbeitsgruppe zu bilden, die sich schneller und einfacher einigen kann, wie die Belange des Hochwasserschutzes und die des Naturschutzes beim Vorhaben, die Seegeniederung hochwassersicher zu machen, zusammengeführt werden können. Doch aufseiten der Hochwasserschützer ist man skeptisch. Und in den Reihen des Gartower Deich- und Wasserverbandes glauben nicht wenige, dass die Gegenseite, die Naturschutzverbände und -behörden, gar nicht an einer Einigung oder Kompromissen interessiert sind.

Janzen: „Hochwasserschutz hat Priorität“

Das weist Dirk Janzen, der Leiter der Verwaltung des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue, weit von sich. Hochwasserschutz, der Schutz von Menschen und ihres Eigentums, habe Priorität, auch für seine Behörde, wird Janzen nicht müde zu betonen. Er ist zur Ausschusssitzung des Gartower Deich- und Wasserverbandes nach Schnackenburg gekommen, sitzt mit am Tisch, als dort über das Thema Hochwasserschutz in der Seegeniederung gesprochen wird. Es gebe Wege, die Interessen von Hochwasser- und Naturschutz unter einen Hut zu bekommen, sagt Janzen und verweist auf das Projekt Deicherhöhung Laasche, das eigentlich zum Gesamtvorhaben Hochwasserschutz Seegeniederung gehört, aber wegen der deutlich zu niedrigen Deiche vorgezogen worden war. Dort, in Laasche, arbeite man „gut zusammen“, habe schon viel erreicht. Und er sei auch optimistisch, dass man dort das größte Problem, jenes der Ausgleichsflächen, in den Griff bekomme – dadurch, dass man anerkenne, dass dort nur ein Deich, also ein bereits bestehendes Bauwerk, verändert werde. Und danach dort wieder ein Deich stehe, der, wenn man es richtig mache, dieselben naturschutzfachlichen Eigenschaften habe wie der Vorgänger – also gar keine Flächen gefunden werden müssten, auf denen vermeintlich negative Einflüsse auf Natur und Umwelt durch Maßnahmen ausgeglichen werden müssten.

Doch selbst in Laasche, wo, wie beide Seiten betonen, die Zusammenarbeit gut laufe, geht es nicht in dem Tempo voran, wie man es sich beim Gartower Deich- und Wasserverband wünschen würde. Die Frage von Gartows Samtgemeindebürgermeister Christian Järnecke (CDU), ob es denn einen Zeitplan für einen Baubeginn dort gäbe, kann der Vorsitzende des Gartower Deichverbands, Ernst-August Schulz, nur ausweichend beantworten. Es gebe Probleme mit der Ausschreibung der Planungsleistungen, „Formalien“ würden alles verzögern. Man wolle „so schnell wie möglich loslegen“, eigentlich sei „alles geklärt“. Doch es sei „schwierig“. Und was das Gesamtvorhaben Hochwasserschutz in der Seegeniederung anbelangt, sogar „fast unmöglich, würde ich sagen“, ärgert sich Schulz. Auch er sieht „nahezu keine Kompromissbereitschaft aufseiten der Naturschutzverbände“, wenn es darum gehe, die Seege mit einem „Abschlussbauwerk – gemeint ist ein Sperrwerk – gegen aus der Elbe drängendes Hochwasser zu sichern. Nicht einmal, als man von dem Plan, dieses Sperrwerk an der Seegemündung bei Meetschow zu errichten, abrückte und die Anlage in der Nähe des Laascher Sees planen wollte.

Sperrwerk oder Erhöhung?

Und so stehen sich die Positionen weiter unvereinbar gegenüber: Die Hochwasserschützer wollen, aus Kostengründen und weil es wohl schneller gehen würde, ein Sperrwerk bauen, statt Dutzende Kilometer Deich zu verbreitern und zu erhöhen; die Naturschützer befürchten, ein Sperrwerk würde die einzigartige Natur in der Seegeniederung und im Fluss und seinem Mündungsgebiet gefährden. Und so geht die Hängepartie weiter. Dort, wo man eigentlich Vorbild werden wollte.
 

Bearbeitet am: 08.03.2025/ad


Zurück zur Homepage

http://www.ejz.de