vom 14.03.2025

Kursänderung

VON DANIELA MUCHOW

Dialogprozess Seegeniederung: Systematische Übersicht zu den Schwachstellen im Hochwasserschutz soll Vorgehen strukturieren

Gartow. Wer in den vergangenen fast zwei Jahren nicht am Tisch des Dialogprozesses zum Hochwasserschutz in der Seegeniederung saß, der mag sich in dieser Woche verwundert die Augen reiben: Bisher gibt es offenbar keine systematisch zusammengetragene Übersicht zu den bekannten und potenziellen Schwachstellen im Hochwasserschutz entlang der Seege. Anders lässt es sich zunächst nicht deuten, dass die Beteiligten am Montag in Gartow das Zusammenstellen eines vollständigen Überblicks innerhalb der kommenden vier bis sechs Wochen beschlossen. Im Mai will man sich dann wieder in großer Runde an einen Tisch setzen. Der mutmaßlich festgefahrene Dialog unter Federführung des Niedersächsischen Umweltministeriums geht also doch weiter.

Einzelne Maßnahmen identifizieren

Mehr Aufschluss zu den Hintergründen des Beschlusses vom Montag gibt folgender Satz: Der Überblick soll den „Grundstock für die gemeinsame Bestimmung von prioritären Hochwasserschutzmaßnahmen im weiteren Dialog“ bilden, wie Moderatorin Karin Beckmann, Chefin des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) Lüneburg, informiert. Es ist ein Strategiewechsel hin zu kleineren Betrachtungseinheiten. War man zum Start des Dialogprozesses im Juni 2023 überwiegend mit der Vorstellung an die Sache herangegangen, zu einem Komplettentwurf für den Hochwasserschutz in der Seegeniederung zu kommen, kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass es zielführender sein könnte, einzelne Maßnahmen zu identifizieren und in der Reihenfolge ihrer Notwendigkeit mit einer jeweils kleineren Arbeitsgruppe abzuarbeiten.

Bild: Wie kann der Hochwasserschutz in der Seegeniederung sichergestellt werden? Der Dialogprozess verändert die Strategie – weg vom Ziel eines Gesamtentwurfs hin zu einer Betrachtung von einzelnen Maßnahmen. Foto: A. Riesner

 

Diesen Weg hatte man exemplarisch bereits kurz nach Prozessbeginn eingeschlagen, um beim Thema Hochwasserschutz für den Ort Laasche zu einem Ergebnis mit zeitlicher Perspektive zu kommen. Dort wird seit Juni 2024 mit einer Steuerungsgruppe unter Leitung des Gartower Deichverbandes die Erhöhung des Ringdeiches vorangetrieben. Diesen Kurs will man nun offenbar auf den weiteren Dialogprozess übertragen. Beckmann wertet es als positiv, dass man die Sachen nun „strukturierter“ angehen werde.

Sven Ebeling, Geschäftsführer des Gartower Deichverbandes, sieht wenig Positives an dem Ergebnis vom Montag, das in seiner Abwesenheit formuliert wurde. Aus seiner Sicht ist man „keinen Deut weitergekommen“. Den bisherigen Dialogprozess bezeichnet er gegenüber der EJZ als „fast zwei verlorene Jahre“. Er bleibe bei seinem Vorschlag, eine kleine Arbeitsgruppe zu bilden (EJZ berichtete). Ein Vorschlag, der am Montag nicht besprochen wurde, wie Karin Beckmann bestätigt.

Die Moderatorin nennt auch Gründe, warum bisher keine systematische Übersicht vorlag. Unter anderem gebe es seit wenigen Monaten eine neue Modellierung, die auch Aspekte des Klimawandels aufzeige und die nun berücksichtigt werden könne. Zudem habe es Zeit gebraucht, festzustellen, wo die Interessen der Beteiligten liegen und den Pfad der Grundsatzdiskussionen zu verlassen. Konkret heißt das: Hochwasserschutz trifft auf Naturschutz – mitunter mit kaum zu vereinbarenden Vorstellungen. In der Seegeniederung manifestiert sich das an der bisher ungelösten Fragestellung, ob ein Sperrwerk oder die Erhöhung von Deichen die Lösung bringt. Ob die jetzige Strategie des Dialogprozesses befriedigende Antworten liefert, bleibt abzuwarten.

Ebeling setzt auf ein Sperrwerk

Sven Ebeling setzt weiterhin auf ein Sperrwerk. Das sei deutlich schneller umsetzbar als Deichbau im Großraum der Seegeniederung und benötige weniger Platz. Der Verbandsgeschäftsführer nennt 30 Jahre als Richtwert für den Ausbau der Deiche. Das stehe im klaren Gegensatz zum Ziel, den Hochwasserschutz an der Seege so schnell wie möglich sicherzustellen. Er habe aktuell den Eindruck, dass vonseiten des Landes Niedersachsen „Weichen in Richtung Deichbau“ gestellt werden, etwa, wenn von „sensiblen Naturbereichen“ und „Schwachstellen herausfiltern“ die Rede sei wie beim Ergebnis vom Montag.
Am Dialogprozess sind etwa 25 Vertreter und Vertreterinnen der Samtgemeinde Gartow und ihrer Mitgliedsgemeinden, des Gartower Deich- und Wasserverbandes, des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), des Landkreises Lüchow-Dannenberg, der Biosphärenreservatsverwaltung, des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, von BUND, Nabu und des Landesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) beteiligt.

 

Bearbeitet am: 15.03.2025/ad


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