Beregnungsanträge liegen seit Jahren auf Halde
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Erst seit 2023 wird mit Beregnungsanträgen so umgegangen, „wie es sein soll“
Lüchow. Die fast schon übliche Frühjahrsdürre hat Lüchow-Dannenberg fest im
Griff. Überall werden Beregnungsaggregate angeworfen. Dazu ist eine
wasserrechtliche Erlaubnis nötig. Doch in der Kreisverwaltung liegen noch viele
Anträge unbearbeitet auf Halde. Insgesamt 81 Anträge, zumeist von
Beregnungsverbänden, warten zum Teil bereits seit 2018 auf eine Entscheidung. Er
sei erschrocken über die hohe Zahl der Altanträge, erklärte der Leiter des
Fachdienstes Wasser, Boden, Abfall, Martin Riedel, kürzlich in der Sitzung des
Fachausschusses für Naturschutz, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft.
Manche Anträge seien heute noch nicht vollständig. Doch das liegt nach Ansicht
von Ausschussmitgliedern aus der Landwirtschaft nicht unbedingt an den
Antragstellern. Einige von ihnen seien von der Verwaltung erst nach Jahren auf
fehlende Unterlagen hingewiesen worden.

Bild: Auf vielen landwirtschaftlichen Flächen in Lüchow-Dannenberg laufen in diesem Frühjahr bereits wieder die Beregnungsanlagen. Foto: D. Schröder
Dass es in diesen Fällen noch keinen Beschluss gibt, heißt nicht, dass die Landwirte nicht beregnen dürfen. Sie erhalten einen vorläufigen Bescheid. Doch es kann sein, dass die darin vorgesehene Entnahmemenge kleiner ist als in der früheren Genehmigung. Jeder Landwirt werde ohnehin nicht unbedacht beregnen, meinte der Ausschussvorsitzende Johannes Heuer. Denn Beregnen sei teuer.
In der Kreisverwaltung wird nach den Äußerungen des Fachdienstleiters erst seit 2023 mit den Entnahmeerlaubnissen so umgegangen, „wie es sein soll“. In der Vergangenheit sei es eben nicht so gelaufen wie vorgesehen. In der Verwaltung sei auf die Mängel erst nach Jahren reagiert worden. Auf Nachfrage erklärt die Kreisverwaltung, dass die Anträge in der Vergangenheit wegen der Personalsituation nicht zeitnah bearbeitet wurden. „In den nächsten Monaten“ sei damit zu rechnen, dass die Altanträge beschieden werden, wenn sie denn vollständig sind.
Der Landkreis will jetzt sein Management für die in seinem Bereich anfallenden Wassermengen neu aufstellen. Dazu wurde im vorigen Jahr ein Projekt angeschoben, bei dem es um die Modellierung der Fließgewässer und der Grundwasserkörper geht. Ziel des Projektes sei es, die Wechselwirkung zwischen Oberflächengewässern und dem Grundwasser zu erfassen, wie der Fachausschuss in einer Mitteilung der Verwaltung erfuhr. Dabei soll es um die Anpassung des Wassermanagements an die Klimafolgen Dürre oder Starkregen gehen, um gezielte Wasserrückhaltung oder die Vorbeugung gegen starke Absenkung von Fließgewässern in Dürrejahren. Außerdem soll geklärt werden, wo und in welchem Umfang schadlose Grundwasserentnahmen möglich sind. Das Projekt soll 300.000 Euro kosten. Dafür erhält der Landkreis einen Zuschuss in Höhe von 90 Prozent vom Land.