UMSTRITTENE PFAS-STUDIE
Entwarnung vom Wasserverband
Der Wasserverband Wendland-Höhbeck weist das Ergebnis einer BUND-Untersuchung zur PFAS-Belastung des Trinkwassers in Lüchow zurück. Der NDR hatte darüber berichtet.

PFAS im Lüchower Trinkwasser?
VON DETLEF BOICK
Wasserverband Wendland-Höhbeck weist NDR-Darstellung über sogenannte Ewigkeitschemikalien in Lüchow zurück – Kritik auch am BUND
Lüchow. Carsten Riebock vom Wasserverband Wendland-Höhbeck (WWH) gibt Entwarnung: „In unserem Trinkwasser sind PFAS unterhalb der Nachweisgrenze“, stellt der Geschäftsführer des Wasserverbandes Wendland-Höhbeck fest. Riebock reagiert damit auf einen TV-Bericht in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“ in der vorigen Woche, laut dem der BUND bei einer bundesweiten Untersuchung an allen acht beprobten niedersächsischen Standorten die sogenannten Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser gefunden habe. Die während der Sendung eingeblendete Karte zeigte, dass auch in Lüchow PFAS festgestellt worden seien.

Bild: Die Ergebnisse der jüngsten Trinkwasseruntersuchung des Wasserwerkes Wibbese zeigen, dass die PFAS-Werte unter der Nachweisgrenze liegen. Foto: D. Boick
Diese Nachricht ließ befürchten, dass PFAS mittlerweile auch in
Lüchow-Dannenberg in tieferen Grundwasserschichten, aus denen im Kreisgebiet
Trinkwasser gewonnen wird, angekommen sein könnten. Der NDR-Beitrag suggerierte,
dass das Trinkwasser in Lüchow mit einer gewissen, wenn auch minimalen
PFAS-Belastung aus dem Grundwasser kommt. Mehrere Kommunalpolitiker hätten wegen
der NDR-Berichterstattung bei ihm angefragt, schildert der WWH-Geschäftsführer.
Riebock: Werte unter der Nachweisgrenze
Der Wasserverband widerspricht diesem Eindruck. Die Menschen in
Lüchow-Dannenberg müssten sich um die Trinkwasserqualität keine Sorgen machen,
versichert Riebock. „Alle aktuellen Analysen zeigen, dass das von uns gelieferte
Trinkwasser sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllt und uneingeschränkt
getrunken werden kann.“ Zuletzt war die Wasserqualität im Wasserwerk Wibbese,
aus dem das Trinkwasser in Lüchow stammt, Ende April untersucht worden. Die
Analyse, die auf der Homepage eingesehen werden kann, weist für rund zwei
Dutzend PFAS-Verbindungen Werte unter der Nachweisgrenze aus.
Der BUND hatte in seiner Stichprobe im Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Jakob
Blankenburg insgesamt 274 ng (Nanogramm, also milliardstel Gramm) pro Liter
Trinkwasser gefunden. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Grenzwert der
EU-Trinkwasserrichtlinie für die Gesamt-PFAS-Belastung von 500 ng/l. Beim
standardmäßigen Vergleichswert PFAS-20 für 20 verschiedene PFAS-Einzelstoffe
liegt die ermittelte Dosis bei 6,7 ng/l und damit bei einem Bruchteil des ab
2026 geltenden Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 100 ng/l –
eine sehr geringe Konzentration, bestätigt eine BUND-Sprecherin auf Nachfrage.
Für den BUND bedeuten die Ergebnisse der Untersuchung, dass die
Ewigkeitschemikalien längst im Wasserkreislauf vor Ort angekommen seien.
Hausinstallationen Ursache?
WWH-Geschäftsführer Riebock widerspricht dieser allgemeinen Einschätzung für die Trinkwasserqualität in seinem Versorgungsgebiet. Er macht deutlich, dass er die BUND-Untersuchung für nicht sachgerecht hält: Proben, die innerhalb von Gebäuden an privaten Hausinstallationen genommen werden, seien für die Wasserqualität im öffentlichen Versorgungsnetz nicht repräsentativ. In Hausinstallationen, also Leitungen und Wasserhähnen, könne es zu Veränderungen der Wasserbeschaffenheit kommen. Beispielsweise, wenn beim Einbau oder der Sanierung von Leitungen Materialien eingesetzt werden, die PFAS freisetzen. Das gelte besonders für Stoffe, die nicht für den Kontakt mit Trinkwasser zugelassen sind.
Keine PFAS-Funde im Höhbecker Trinkwasser
Auf EJZ-Nachfrage räumt die BUND-Sprecherin ein, dass das Lüchower Trinkwasser eventuell eine Ausnahme sei. Dennoch weist sie den Vorwurf der Panikmache zurück: „Es sind ja tatsächlich PFAS im Trinkwasser gefunden worden.“
Der NDR antwortet auf die Kritik an seiner Berichterstattung, dass es aus
Verbrauchersicht maßgeblich sei, was aus dem jeweiligen Wasserhahn kommt. Nach
einer kurzfristigen redaktionellen Prüfung hätten keine Hinweise vorgelegen,
dass Rohrleitungen wesentliche Träger von PFAS seien. Ein NDR-Sprecher räumt
ein, dass die betreffenden Wasserversorger zu den Ergebnissen der
BUND-Stichproben nicht befragt worden seien. Allerdings habe der NDR den
Begleittext zum Beitrag so formuliert, dass verdeutlicht worden sei, dass nicht
jede Wasserentnahmestelle in der jeweiligen Stadt belastet sei.
Übrigens: Es ist nur ein falsches Gerücht, dass im Grundwasser auf dem Höhbeck
PFAS gefunden worden seien. Sogar im Naturschutzausschuss des Landkreises war es
am Donnerstag zu hören. Entstanden war die falsche Darstellung offenbar durch
die Verkettung von irrtümlichen Interpretationen.
Keinen Einfluss auf das Trinkwasser im Bereich Wendland-Höhbeck hat nach Angaben von WWH-Geschäftsführer Riebock die PFAS-Belastung des Elbsediments bei Schnackenburg. Darüber hatte die EJZ im Februar 2023 berichtet.
| WAS SIND PFAS? Chemisch sehr stabil PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Gruppe von rund 10.000 künstlich hergestellten chemischen Verbindungen, die wegen ihrer Fett-, Wasser- und Schmutzabweisung in vielen Alltagsprodukten vorkommen – zum Beispiel in Pfannenbeschichtungen, Imprägniersprays, Outdoor-Bekleidung, Papierverpackungen oder Feuerlöschschaum. Diese Stoffe sind chemisch sehr stabil und werden in der Umwelt kaum abgebaut – daher nennt man sie auch Ewigkeitschemikalien.
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Unser Trinkwasser bleibt sicher: Keine PFAS-Grenzwertüberschreitungen im Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck
Lüchow, 10. November 2025 – „In unserem Trinkwasser ist PFAS unterhalb der Nachweisgrenze“, betont Geschäftsführer Carsten Riebock. Die Wasserqualität im gesamten Versorgungsgebiet wird regelmäßig und streng durch ein akkreditiertes, unabhängiges Labor überprüft. „Alle aktuellen Analysen zeigen, dass das von uns gelieferte Trinkwasser sämtlichen gesetzlichen Anforderungen erfüllt und uneingeschränkt getrunken werden kann“, so Riebock weiter.
In den vergangenen Tagen wurde über die Ergebnisse einer bundesweiten Stichprobenuntersuchung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS) im Trinkwasser berichtet. Auch aus dem Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck wurde dabei eine Probe untersucht.
Riebock erläutert: „PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von rund 10.000 künstlich hergestellten chemischen Verbindungen, die wegen ihrer Fett-, Wasser- und Schmutzabweisung in vielen Alltagsprodukten vorkommen – zum Beispiel in Pfannenbeschichtungen, Imprägniersprays, Outdoor-Bekleidung, Papierverpackungen oder Feuerlöschschaum. Diese Stoffe sind chemisch sehr stabil und werden in der Umwelt kaum abgebaut – daher nennt man sie auch ‘Ewigkeitschemikalien’.“
Zur Situation in den Samtgemeinden Lüchow und Gartow teilt der Wasserverband
mit, dass die vom BUND entnommene Probe im Büro eines Bundestagsabgeordneten in
Lüchow genommen wurde – nicht am Wasserwerk oder im öffentlichen Leitungsnetz,
sondern an einer privaten Hausinstallation.
Proben, die innerhalb von Gebäuden entnommen werden, sind nicht repräsentativ
für die Wasserqualität im öffentlichen Versorgungsnetz. In Hausinstallationen
kann es zu Veränderungen der Wasserbeschaffenheit kommen – zum Beispiel, wenn
bei Einbau oder Sanierungen von Leitungen und Amateuren Materialien verwendet
wurden, die PFAS freisetzen oder die Messergebnisse beeinflussen können. Dies
gilt insbesondere dann, wenn diese Materialien nicht für den Kontakt mit
Trinkwasser zugelassen sind.
Für die Qualität des Trinkwassers bis zum Hausanschluss ist der Wasserverband
verantwortlich; ab dort liegt sie beim jeweiligen Eigentümer oder Betreiber der
Installation.
„Wir nehmen die öffentliche Diskussion um PFAS sehr ernst und begrüßen jede Aufmerksamkeit für sauberes Trinkwasser“, erklärt Riebock. „Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Fakten klarzustellen: Das Trinkwasser im Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck ist nicht belastet und kann sicher und bedenkenlos verwendet werden.“
Alle aktuellen Untersuchungsergebnisse des Trinkwassers sind transparent auf unserer Homepage einsehbar unter: www.wvwh.