vom 15.11.2025

UMSTRITTENE PFAS-STUDIE

Entwarnung vom Wasserverband

Der Wasserverband Wendland-Höhbeck weist das Ergebnis einer BUND-Untersuchung zur PFAS-Belastung des Trinkwassers in Lüchow zurück. Der NDR hatte darüber berichtet.

PFAS im Lüchower Trinkwasser?

VON DETLEF BOICK

Wasserverband Wendland-Höhbeck weist NDR-Darstellung über sogenannte Ewigkeitschemikalien in Lüchow zurück – Kritik auch am BUND

Lüchow. Carsten Riebock vom Wasserverband Wendland-Höhbeck (WWH) gibt Entwarnung: „In unserem Trinkwasser sind PFAS unterhalb der Nachweisgrenze“, stellt der Geschäftsführer des Wasserverbandes Wendland-Höhbeck fest. Riebock reagiert damit auf einen TV-Bericht in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“ in der vorigen Woche, laut dem der BUND bei einer bundesweiten Untersuchung an allen acht beprobten niedersächsischen Standorten die sogenannten Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser gefunden habe. Die während der Sendung eingeblendete Karte zeigte, dass auch in Lüchow PFAS festgestellt worden seien.

Bild: Die Ergebnisse der jüngsten Trinkwasseruntersuchung des Wasserwerkes Wibbese zeigen, dass die PFAS-Werte unter der Nachweisgrenze liegen. Foto: D. Boick


Diese Nachricht ließ befürchten, dass PFAS mittlerweile auch in Lüchow-Dannenberg in tieferen Grundwasserschichten, aus denen im Kreisgebiet Trinkwasser gewonnen wird, angekommen sein könnten. Der NDR-Beitrag suggerierte, dass das Trinkwasser in Lüchow mit einer gewissen, wenn auch minimalen PFAS-Belastung aus dem Grundwasser kommt. Mehrere Kommunalpolitiker hätten wegen der NDR-Berichterstattung bei ihm angefragt, schildert der WWH-Geschäftsführer.

Riebock: Werte unter der Nachweisgrenze

Der Wasserverband widerspricht diesem Eindruck. Die Menschen in Lüchow-Dannenberg müssten sich um die Trinkwasserqualität keine Sorgen machen, versichert Riebock. „Alle aktuellen Analysen zeigen, dass das von uns gelieferte Trinkwasser sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllt und uneingeschränkt getrunken werden kann.“ Zuletzt war die Wasserqualität im Wasserwerk Wibbese, aus dem das Trinkwasser in Lüchow stammt, Ende April untersucht worden. Die Analyse, die auf der Homepage eingesehen werden kann, weist für rund zwei Dutzend PFAS-Verbindungen Werte unter der Nachweisgrenze aus.
Der BUND hatte in seiner Stichprobe im Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Jakob Blankenburg insgesamt 274 ng (Nanogramm, also milliardstel Gramm) pro Liter Trinkwasser gefunden. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Grenzwert der EU-Trinkwasserrichtlinie für die Gesamt-PFAS-Belastung von 500 ng/l. Beim standardmäßigen Vergleichswert PFAS-20 für 20 verschiedene PFAS-Einzelstoffe liegt die ermittelte Dosis bei 6,7 ng/l und damit bei einem Bruchteil des ab 2026 geltenden Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 100 ng/l – eine sehr geringe Konzentration, bestätigt eine BUND-Sprecherin auf Nachfrage. Für den BUND bedeuten die Ergebnisse der Untersuchung, dass die Ewigkeitschemikalien längst im Wasserkreislauf vor Ort angekommen seien.

Hausinstallationen Ursache?

WWH-Geschäftsführer Riebock widerspricht dieser allgemeinen Einschätzung für die Trinkwasserqualität in seinem Versorgungsgebiet. Er macht deutlich, dass er die BUND-Untersuchung für nicht sachgerecht hält: Proben, die innerhalb von Gebäuden an privaten Hausinstallationen genommen werden, seien für die Wasserqualität im öffentlichen Versorgungsnetz nicht repräsentativ. In Hausinstallationen, also Leitungen und Wasserhähnen, könne es zu Veränderungen der Wasserbeschaffenheit kommen. Beispielsweise, wenn beim Einbau oder der Sanierung von Leitungen Materialien eingesetzt werden, die PFAS freisetzen. Das gelte besonders für Stoffe, die nicht für den Kontakt mit Trinkwasser zugelassen sind.

Keine PFAS-Funde im Höhbecker Trinkwasser

Auf EJZ-Nachfrage räumt die BUND-Sprecherin ein, dass das Lüchower Trinkwasser eventuell eine Ausnahme sei. Dennoch weist sie den Vorwurf der Panikmache zurück: „Es sind ja tatsächlich PFAS im Trinkwasser gefunden worden.“

Der NDR antwortet auf die Kritik an seiner Berichterstattung, dass es aus Verbrauchersicht maßgeblich sei, was aus dem jeweiligen Wasserhahn kommt. Nach einer kurzfristigen redaktionellen Prüfung hätten keine Hinweise vorgelegen, dass Rohrleitungen wesentliche Träger von PFAS seien. Ein NDR-Sprecher räumt ein, dass die betreffenden Wasserversorger zu den Ergebnissen der BUND-Stichproben nicht befragt worden seien. Allerdings habe der NDR den Begleittext zum Beitrag so formuliert, dass verdeutlicht worden sei, dass nicht jede Wasserentnahmestelle in der jeweiligen Stadt belastet sei.
Übrigens: Es ist nur ein falsches Gerücht, dass im Grundwasser auf dem Höhbeck PFAS gefunden worden seien. Sogar im Naturschutzausschuss des Landkreises war es am Donnerstag zu hören. Entstanden war die falsche Darstellung offenbar durch die Verkettung von irrtümlichen Interpretationen.

Keinen Einfluss auf das Trinkwasser im Bereich Wendland-Höhbeck hat nach Angaben von WWH-Geschäftsführer Riebock die PFAS-Belastung des Elbsediments bei Schnackenburg. Darüber hatte die EJZ im Februar 2023 berichtet.

WAS SIND PFAS?
Chemisch sehr stabil
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Gruppe von rund 10.000 künstlich hergestellten chemischen Verbindungen, die wegen ihrer Fett-, Wasser- und Schmutzabweisung in vielen Alltagsprodukten vorkommen – zum Beispiel in Pfannenbeschichtungen, Imprägniersprays, Outdoor-Bekleidung, Papierverpackungen oder Feuerlöschschaum. Diese Stoffe sind chemisch sehr stabil und werden in der Umwelt kaum abgebaut – daher nennt man sie auch Ewigkeitschemikalien.

 

Pressemitteilung

Unser Trinkwasser bleibt sicher: Keine PFAS-Grenzwertüberschreitungen im Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck

Lüchow, 10. November 2025 – „In unserem Trinkwasser ist PFAS unterhalb der Nachweisgrenze“, betont Geschäftsführer Carsten Riebock. Die Wasserqualität im gesamten Versorgungsgebiet wird regelmäßig und streng durch ein akkreditiertes, unabhängiges Labor überprüft. „Alle aktuellen Analysen zeigen, dass das von uns gelieferte Trinkwasser sämtlichen gesetzlichen Anforderungen erfüllt und uneingeschränkt getrunken werden kann“, so Riebock weiter.

In den vergangenen Tagen wurde über die Ergebnisse einer bundesweiten Stichprobenuntersuchung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS) im Trinkwasser berichtet. Auch aus dem Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck wurde dabei eine Probe untersucht.

Riebock erläutert: „PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von rund 10.000 künstlich hergestellten chemischen Verbindungen, die wegen ihrer Fett-, Wasser- und Schmutzabweisung in vielen Alltagsprodukten vorkommen – zum Beispiel in Pfannenbeschichtungen, Imprägniersprays, Outdoor-Bekleidung, Papierverpackungen oder Feuerlöschschaum. Diese Stoffe sind chemisch sehr stabil und werden in der Umwelt kaum abgebaut – daher nennt man sie auch ‘Ewigkeitschemikalien’.“

Zur Situation in den Samtgemeinden Lüchow und Gartow teilt der Wasserverband mit, dass die vom BUND entnommene Probe im Büro eines Bundestagsabgeordneten in Lüchow genommen wurde – nicht am Wasserwerk oder im öffentlichen Leitungsnetz, sondern an einer privaten Hausinstallation.
Proben, die innerhalb von Gebäuden entnommen werden, sind nicht repräsentativ für die Wasserqualität im öffentlichen Versorgungsnetz. In Hausinstallationen kann es zu Veränderungen der Wasserbeschaffenheit kommen – zum Beispiel, wenn bei Einbau oder Sanierungen von Leitungen und Amateuren Materialien verwendet wurden, die PFAS freisetzen oder die Messergebnisse beeinflussen können. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Materialien nicht für den Kontakt mit Trinkwasser zugelassen sind.
Für die Qualität des Trinkwassers bis zum Hausanschluss ist der Wasserverband verantwortlich; ab dort liegt sie beim jeweiligen Eigentümer oder Betreiber der Installation.

„Wir nehmen die öffentliche Diskussion um PFAS sehr ernst und begrüßen jede Aufmerksamkeit für sauberes Trinkwasser“, erklärt Riebock. „Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Fakten klarzustellen: Das Trinkwasser im Versorgungsgebiet des Wasserverbands Wendland-Höhbeck ist nicht belastet und kann sicher und bedenkenlos verwendet werden.“

Alle aktuellen Untersuchungsergebnisse des Trinkwassers sind transparent auf unserer Homepage einsehbar unter: www.wvwh.


 

Bearbeitet am: 15.11.2025/ad


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