vom 24.09.2025

 

Ihre EJZ heute

warum wollen sich viele Menschen nicht mehr mit dem Klimawandel und seinen katastrophalen Folgen beschäftigen? Warum verdrängen sie, wie sich das Leben auf Erde vermutlich negativ verändern wird?

Als Journalist merke ich selbst, dass ich nicht ständig Horrornachrichten verbreiten möchte, wie sich die Klimakatastrophe wahrscheinlich in Lüchow-Dannenberg auswirken wird. In der heutigen EJZ-Ausgabe können Sie gleich zwei Artikel (Seite 2 und 3) lesen, die sich mit den Auswirkungen der durch den Klimawandel verursachten Trockenheit beschäftigen. Wie viele andere Menschen bin ich auch übersättigt von zahlreichen negativen Nachrichten zu diesem Thema.

Von der Recherche zur Wirkung des Klimawandels auf den Kateminer Mühlenbach bleibt mir zuallererst in Erinnerung, wie schön und idyllisch das Mühlenbachtal am Rand der Göhrde ist. Ich habe die Exkursionen mit dem Gewässerexperten Dr. Erich Bäuerle den Bachverlauf entlang an einem schönen Frühherbsttag genossen. Natürlich registrierte ich bei der Tour die Fakten, nämlich dass der Bach eventuell in einigen Jahrzehnten ganz trocken fallen könnte.

Die Schönheit und Ruhe der Landschaft dämpften bei mir jedoch auch das Erschrecken darüber, dass es vermutlich nicht verhindert werden kann, dass der Kateminer Mühlenbach in seinem Ober- und Mittellauf nie wieder ständig Wasser führt. Ähnlich stelle ich mir die Situation an der Elbe vor, um die es bei einem Treffen der Umweltminister der Bundesländer aus dem Elbeinzugsgebiet in Hitzacker ging. Es ist derzeit sehr schön und entspannend, am Elbstrand zu sitzen und die Ruhe, die dort herrscht, zu genießen. Da möchte man gar nicht daran denken, dass es die durch den Klimawandel verursachte Trockenheit ist, die es erst ermöglicht, zwischen zwei Buhnen im Sand zu sitzen.

Ihr Detlef Boick

KATEMINER MÜHLENBACH

Wasser verschwindet


Dem Kateminer Mühlenbach am Rand der Göhrde geht seit Jahrzehnten das Grundwasser aus. Lange Abschnitte seines Bettes liegen trocken. „Ein langsames Sterben“, sagt Dr. Erich Bäuerle. »

 

Ein Bach, dem das Wasser ausgeht

VON DETLEF BOICK

Der Kateminer Mühlenbach am Rand der Göhrde führt auf dem größeren Teil seines Verlaufes kein Wasser mehr

Darzau. „Es ist das langsame Sterben eines Baches.“ Dr. Erich Bäuerle wirkt konsterniert, als er beschreibt, wie sich der Kateminer Mühlenbach in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Er blickt von einer Brücke bei Darzau Mühle auf Entenflott, das auf einem stehenden Abschnitt des Gewässers schwimmt. Es handele sich um den Rückstau von Fischteichen ein Stück bachabwärts, erläutert der Ozeanograf, der seit mehr als zwei Jahrzehnten die Gewässer in Lüchow-Dannenberg erforscht.

 

Bild: Dr. Erich Bäuerle dokumentiert das Sterben des Kateminer Mühlenbaches: An der alten Wassermühle in Tangsehl besteht er nur noch aus mehreren Pfützen im Bachbett. Foto: D. Boick

Zwischen Darzau Mühle und Darzau Hof speisen eine Hangquelle und der Ventschauer Bach den Mühlenbach, sodass er von dort bis zur Elbe durchgängig Wasser führt, weiß Dr. Bäuerle, der sich in der AG Grundwasser Wendland engagiert. Am Rand einer Wiese bei Quarstedt zeigt er in einer Biegung des Baches, wie Wasser aus der Uferböschung plätschert. Es handele sich um Grundwasser, das sich im Untergrund der ein wenig höher gelegenen anschließenden Wiese sammle. Bei Quarstedt sieht der Mühlenbach so aus, wie man es für ein solches Gewässer erwartet: eine erkennbare Strömung, Mäander und in seinem ockergelben Sandbett die typische Riffelstruktur.

Trockenheit seit sieben Jahren

Doch Wasser führt der Kateminer Mühlenbach auf dem weitaus größten Teil seines rund 13 Kilometer langen Verlaufes regelmäßig schon seit sieben Jahren nicht mehr, erläutert Dr. Bäuerle bei einer Tour den Mühlenbach entlang. Der entspringt eigentlich im westlichen Teil des Tales an der Ortschaft Göhrde. Früher sei er aus dem Grundwasser gespeist worden, das sich dort an den Hängen der Göhrde sammelte und an den tiefsten Punkt floss. Der Bach ist bei Göhrde kaum noch als solcher erkennbar, das Bett ist zum Teil von einer dicken Laubschicht bedeckt, die Uferböschungen sind zugewachsen mit Brennnesseln und anderen Pflanzen. Ein paar Hundert Meter abwärts floss der Mühlenbach früher durch den Prinzessinnen-Teich, der jetzt nur dadurch erkennbar ist, dass sein Boden ein bis zwei Meter unter dem Geländeniveau der Umgebung liegt. Dr. Bäuerle berichtet, dass der Teich ab und zu gefüllt war, wenn wie vor anderthalb Jahren im Winter viel Regen fiel: „Aber auch nur ein paar Tage lang.“

Pfütze am Mühlrad

Einige Kilometer entfernt bei Pommoißel fließt der Lübener Bach in den Mühlenbach, doch beide Gewässer liegen derzeit trocken. Kaum besser sieht es an der Mühle in Tangsehl (Landkreis Lüneburg) aus, dort steht eine Pfütze am Mühlrad, das schon lange nicht mehr mit Wasser angetrieben wird. Auch bei Moislingen und Darzau Hof muss man wissen, dass es sich um das Bett des Kateminer Mühlenbaches handelt.
Für Dr. Bäuerle ist klar, dass die jahrelange Trockenheit wegen des Klimawandels eine enorme Grundwasserabsenkung im Drawehn und den Elbhöhen verursacht hat. Der Experte zeigt dazu eine Grafik der Pegelstände am Kateminer Mühlenbach, die seit Jahrzehnten eine klare Tendenz nach unten zeigen, auch wenn die Kurve jedes Jahr im Winter wieder leicht ansteigt. Der offizielle Pegel des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im oberen Teil des Mühlenbaches zeige, dass sich der Abwärtstrend nach dem historischen Tiefstand im Jahr 2022 – vier Meter unterhalb des Pegelstandes Mitte der 1990er-Jahre – um ungefähr einen halben Meter auf den Stand von 2020 aufgefüllt hatte, berichtete Dr. Bäuerle. Der Wissenschaftler wundert sich über die Argumentation aus dem NLWKN, dass die Entwicklung keine Auswirkung auf die Ökologie habe, weil der Grundwasserspiegel dort sowieso mehrere Dutzend Meter unter der Geländeoberkante liege.

Lange bekannter Trend

Dass die Grundwasserpegel im Drawehn absinken, ist offenbar schon lange bekannt. Schon 2008 hieß es im Förderprojekt „NoRegret – genug Wasser für die Landwirtschaft“, dass insbesondere die Quellgebiete der Oberläufe und Vorfluter zu den gefährdeten Bereichen gehören, schildert Dr. Bäuerle. Zudem hieß es in der Dokumentation des Forschungsprojektes, dass dort die Niedrigwasserabflüsse in den vorigen 50 Jahren deutlich abgenommen hätten.

Für Dr. Bäuerle ist die Entwicklung des Kateminer Mühlenbaches beispielhaft für viele andere kleine Fließgewässer, die aus dem Drawehn in Richtung Jeetzel führen, wie zum Beispiel die Bäche bei Metzingen und Harlingen. Bäuerle befürchtet, dass der Kateminer Mühlenbach in weiteren Teilen austrocknet oder eventuell sogar ganz verschwindet.

Welche Rolle die landwirtschaftliche Beregnung beim Absinken des Grundwassers im Drawehn spielt, sei schwer messbar, räumt der Experte ein. Für ihn ist es aber keine Frage, dass die Beregnung Einfluss auf die Pegelstände hat. „Das müsste genau untersucht werden“, betont Dr. Bäuerle.

Bearbeitet am: 24.09.2025/ad


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