Grundwasser im Wendland wird wärmer
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Parallel zum Anstieg der Lufttemperatur: NLWKN wertete für Studie landesweit 1.258 Messstellen aus
Lüchow. Wenn über das Grundwasser gesprochen wird, dann ist von dessen Temperatur selten die Rede. Dem Wasser im Untergrund werden gleichbleibende Temperaturwerte zugeschrieben, erklärt der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Doch diese Zuschreibung ist ein Irrtum. Mit den Temperaturen an der Luft ändern sich auch die Werte in den grundwasserführenden Schichten. Und das könnte in Zukunft Auswirkungen auf die Güte des Grundwassers haben. Dessen Temperatur in Lüchow-Dannenberg unterscheidet sich nicht vom Anstieg der allgemeinen Durchschnittswerte in Niedersachsen, wie eine Auswertung des NLWKN über die vergangenen 30 Jahre zeigt.

Bild: Auch im Kreisgebiet von Lüchow-Dannenberg wird das Grundwasser seit mehreren Jahrzehnten wärmer. Foto: Imago/S. Steinach
Anders als in der verbreiteten Wahrnehmung handele es sich in den tiefen grundwasserführenden Schichten nicht um totes Gestein, sondern um Ökosysteme. Dort leben Bakterien, Mikroben und Tierarten wie der Flohkrebs. Dieses Ökosystem leiste die Reinigung des Wassers, stellt die Behörde fest. Es seien insgesamt 7.000 Arten bekannt, die in der Tiefe leben. Es kämen ständig neue hinzu, heißt es in einer Mitteilung des NLWKN.
Die Temperatur des Grundwassers habe einen bedeutenden Einfluss auf die Wassergüte. Die jeweilige Temperatur des Wassers reguliere die biologischen und chemischen Prozesse. Das sei entscheidend für die Besiedlung der unterirdischen Räume durch Organismen, die eine erhebliche Rolle für die natürliche Reinigung des Grundwassers spielten, etwa beim Abbau von Nitrat. Mit dem Anstieg der Temperaturen ändere sich die Zusammensetzung der unterirdischen Lebensgemeinschaften. Die Auswirkungen des Temperaturanstiegs seien aktuell noch nicht absehbar.
Alle zehn Jahre plus 0,3 Grad
Dass sich das Grundwasser weltweit erwärmt, ist nach den Angaben der Behörde keine neue Entdeckung. In der NLWKN-Untersuchung werden zahlreiche Studien angeführt. Demnach liegen die Temperaturen um bis zu fünf Grad höher als in früheren Perioden. Für Niedersachsen hat die Behörde jetzt erstmals die Messungen aus einem 30-jährigen Zeitraum ausgewertet. Demnach steigen die Temperaturen des Grundwassers im Landesdurchschnitt um 0,3 Grad alle zehn Jahre. Dieser Durchschnittswert gilt auch für Lüchow-Dannenberg. An fünf Stellen im Kreisgebiet wurden die Messwerte aus unterschiedlichen Tiefen genommen. Je tiefer die Wasserentnahme lag, desto geringer war die Temperaturänderung. Die Behörde verglich die Messwerte parallel mit den Temperaturen der Luft seit 1970. Daraus ergab sich die Schlussfolgerung, dass der allgemeine Anstieg der Temperaturen mit einer zeitlichen Verzögerung im Grundwasser ankommt, heißt es in der Mitteilung des NLWKN.
Einfluss auf die Grundwassertemperatur haben neben der Tiefe die Art des
Gesteins und die Landnutzung an der Oberfläche. So stiegen die
Wassertemperaturen unter bebauten Flächen am stärksten, unter Grünland am
geringsten. In Niedersachsen wurden 43.328 Messwerte aus 1.258 Messstellen
ausgewertet. Der Trend sei deutlich sichtbar, stellt die Behörde fest.