vom 22.05.2026

Minister ruft Niedersachsen zum Wassersparen auf

VON ELISABETH WOLDT UND DIRK FISSER

Bleibt der Pool leer? Vor dem ersten heißen Wochenende des Jahres warnt Christian Meyer vor einer angespannten Situation: Viele Grundwasserstände liegen weiter unter dem Schnitt

Hannover. Vor dem ersten sommerlichen Wochenende des Jahres mit Temperaturen von stellenweise bis zu 30 Grad ruft Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die Menschen zu einem sparsameren Umgang mit Wasser auf. Hintergrund sind weiterhin niedrige Grundwasserstände in vielen Regionen des Landes – trotz zuletzt teils kräftiger Niederschläge im Mai.

„Die Klimakrise – mit insgesamt mittlerweile 2,5 Grad Erwärmung in Deutschland – verschärft die Wassersituation in Niedersachsen erheblich“, sagte der Grünen-Politiker. „Die Verdunstung steigt erheblich, denn mit jedem Grad Celsius kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Unsere Gewässer und Flüsse werden immer trockener. Grundwasser, das mehr als 80 Prozent unseres Trinkwassers liefert, wird immer knapper.“

Nach Angaben des Umweltministeriums weisen derzeit 93 von 161 Messstellen des Landes – also knapp 60 Prozent – niedrigere Grundwasserstände als im langjährigen Mittel für Mai auf. Neun Messstellen unterschreiten sogar den bisherigen Niedrigstwert. Die Daten stammen vom Portal Grundwasserstandonline. Auch die Talsperren im Harz liegen mit 64 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel von 78 Prozent.
Meyer warnte davor, die jüngsten Regenfälle als Entwarnung zu verstehen. „Trotz der erhöhten Niederschlagsmengen bisher im Mai zeigt sich, dass etwa 60 Prozent der Messstellen in Niedersachsen einen niedrigen oder sehr niedrigen Grundwasserstand aufweisen. Die Lage ist vielerorts angespannt. Aufgrund der Klimakrise ist mit zunehmenden Dürre- und Trockenphasen zu rechnen. Das lehren uns die vergangenen Jahre. Vermehrte Starkregenereignisse im Winter gleichen den Wasserspiegel nicht aus.“


Besonders betroffen sind laut Umweltministerium Landwirtschaft, Gewässer und die öffentliche Wasserversorgung. Bereits in den vergangenen Sommern hatten zahlreiche Landkreise und Städte Einschränkungen bei der Wasserentnahme verfügt – etwa für die Bewässerung von Gärten, Sportanlagen oder landwirtschaftlichen Flächen. Die Entscheidungen treffen die kommunalen Wasserbehörden.
Auch die Landwirtschaft müsse sich stärker anpassen. Meyer forderte, Felder möglichst nachts zu beregnen, um Verdunstung zu vermeiden. Zugleich appellierte der Minister an private Haushalte: „Und auch Privathaushalte sollten in Zeiten von Wasserknappheit, unter der Mensch und Natur leiden, wo immer möglich auf die Befüllung von Schwimmbecken und die Bewässerung von Gärten verzichten oder diese stark einschränken.“ Weiter sagte Meyer: „Wasser ist zu knapp, um es zu verschwenden.“

Die Landesregierung arbeitet derzeit parallel an mehreren großen wasserpolitischen Vorhaben. Im Landtag befindet sich das neue Niedersächsische Wassergesetz in der Endberatung. Es soll den Umgang mit Wasser stärker an die Folgen des Klimawandels anpassen. Vorgesehen sind unter anderem strengere Regeln für langfristige Grundwasserentnahmen, mehr Möglichkeiten für Wasserspeicherung und Entsiegelung und neue Instrumente zum Wassersparen.
 

Bearbeitet am: 22.05.2026/ad


Zurück zur Homepage

http://www.ejz.de