Minister ruft Niedersachsen zum Wassersparen auf
VON ELISABETH WOLDT UND DIRK FISSER
Bleibt der Pool leer? Vor dem ersten heißen Wochenende des Jahres warnt Christian Meyer vor einer angespannten Situation: Viele Grundwasserstände liegen weiter unter dem Schnitt
Hannover. Vor dem ersten sommerlichen Wochenende des Jahres mit Temperaturen von stellenweise bis zu 30 Grad ruft Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die Menschen zu einem sparsameren Umgang mit Wasser auf. Hintergrund sind weiterhin niedrige Grundwasserstände in vielen Regionen des Landes – trotz zuletzt teils kräftiger Niederschläge im Mai.
„Die Klimakrise – mit insgesamt mittlerweile 2,5 Grad Erwärmung in Deutschland – verschärft die Wassersituation in Niedersachsen erheblich“, sagte der Grünen-Politiker. „Die Verdunstung steigt erheblich, denn mit jedem Grad Celsius kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Unsere Gewässer und Flüsse werden immer trockener. Grundwasser, das mehr als 80 Prozent unseres Trinkwassers liefert, wird immer knapper.“
Nach Angaben des Umweltministeriums weisen derzeit 93 von 161 Messstellen des
Landes – also knapp 60 Prozent – niedrigere Grundwasserstände als im
langjährigen Mittel für Mai auf. Neun Messstellen unterschreiten sogar den
bisherigen Niedrigstwert. Die Daten stammen vom Portal Grundwasserstandonline.
Auch die Talsperren im Harz liegen mit 64 Prozent deutlich unter dem
langjährigen Mittel von 78 Prozent.
Meyer warnte davor, die jüngsten Regenfälle als Entwarnung zu verstehen. „Trotz
der erhöhten Niederschlagsmengen bisher im Mai zeigt sich, dass etwa 60 Prozent
der Messstellen in Niedersachsen einen niedrigen oder sehr niedrigen
Grundwasserstand aufweisen. Die Lage ist vielerorts angespannt. Aufgrund der
Klimakrise ist mit zunehmenden Dürre- und Trockenphasen zu rechnen. Das lehren
uns die vergangenen Jahre. Vermehrte Starkregenereignisse im Winter gleichen den
Wasserspiegel nicht aus.“
Besonders betroffen sind laut Umweltministerium Landwirtschaft, Gewässer und die
öffentliche Wasserversorgung. Bereits in den vergangenen Sommern hatten
zahlreiche Landkreise und Städte Einschränkungen bei der Wasserentnahme verfügt
– etwa für die Bewässerung von Gärten, Sportanlagen oder landwirtschaftlichen
Flächen. Die Entscheidungen treffen die kommunalen Wasserbehörden.
Auch die Landwirtschaft müsse sich stärker anpassen. Meyer forderte, Felder
möglichst nachts zu beregnen, um Verdunstung zu vermeiden. Zugleich appellierte
der Minister an private Haushalte: „Und auch Privathaushalte sollten in Zeiten
von Wasserknappheit, unter der Mensch und Natur leiden, wo immer möglich auf die
Befüllung von Schwimmbecken und die Bewässerung von Gärten verzichten oder diese
stark einschränken.“ Weiter sagte Meyer: „Wasser ist zu knapp, um es zu
verschwenden.“
Die Landesregierung arbeitet derzeit parallel an mehreren großen
wasserpolitischen Vorhaben. Im Landtag befindet sich das neue Niedersächsische
Wassergesetz in der Endberatung. Es soll den Umgang mit Wasser stärker an die
Folgen des Klimawandels anpassen. Vorgesehen sind unter anderem strengere Regeln
für langfristige Grundwasserentnahmen, mehr Möglichkeiten für Wasserspeicherung
und Entsiegelung und neue Instrumente zum Wassersparen.