Experten streiten über Werte
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Nitrat: Der zuständige Fachausschuss des Kreistages erhielt aktuelle Informationen über die Messergebnisse des Grundwassers
Lüchow. Einmal jährlich gibt es in den Gremien des Kreistages Informationen zur Situation des Grundwassers und der Gewässer in Lüchow-Dannenberg. Ebenso regelmäßig fallen die Angaben vonseiten der Experten unterschiedlich aus. Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gibt die Nitratbelastung des Grundwassers in einer Reihe über den Landkreis verteilter Messstellen als hoch an. Dagegen ergeben die Messungen des Wasserverbandes Wendland-Höhbeck nach Angaben von dessen Geschäftsführer Carsten Riebock jüngst im Kreistagsausschuss für Naturschutz und Landwirtschaft nur wenige Belastungen.

Bild: Mit Brunnen wie diesem kontrolliert das NLWKN den Grundwasserstand und die Wassergüte. Foto: K.-F. Kassel
„Wir können nicht alle roten Punkte des NLWKN nachvollziehen,“ erklärte Riebock.
In Vietze, wo es offenbar bisher höhere Werte gegeben hat, seien diese
rückläufig. Der Verband betreibe gemeinsam mit der Landwirtschaft einen
vorbeugenden Wasserschutz. Man müsse die Bereitschaft der Landwirtschaft, daran
mitzuwirken, aufrechterhalten, erklärte Riebock.
Riebock gegen Niedersächsischen Weg
Der Verbandsgeschäftsführer äußerte sich ablehnend gegenüber dem
Niedersächsischen Weg. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung von
Landwirtschaft, Naturschutz und Politik, die das Land Niedersachsen als
modellhaft ansieht. Riebock bemängelte in der Ausschusssitzung, dass Geld fehle,
um die Probleme gemeinsam mit der Landwirtschaft lösen zu können. Er forderte
hohe Investitionen in die alten Netze.
NLWKN-Vertreter Jochen Hermann wandte sich dagegen, die ermittelten Werte zu
relativieren. Er bot an, dass sein Betrieb bei der Auswertung der Messergebnis
helfen könnte. Es gehe nicht darum, den Nutzern ein schlechtes Gewissen zu
machen. sondern darum, die Notwendigkeit von Handlungen zu betonen. Die
Messstellen mit sehr hohen Nitratbelastungen von bis zu 100 Milligramm je Liter
lagen westlich von Dannenberg und südöstlich von Lüchow, sowie neuerdings
unterhalb des Fuchsberges bei Clenze, Der Grenzwert liegt bei 50 mg/l. In einem
Fall wurde auch eine Belastung aus Pflanzenschutzmitteln gemessen, erklärte
Hermann.
Tendenz: Fallende Grundwasserstände
Bei den Grundwasserständen ermittelt der Landesbetrieb seit 2020 Werte, die links der Jeetzel unter denen des langjährigen Mittels liegen. Den tiefsten Wert gab es dort 2023. Seitdem sei der Grundwasserspiegel zwar etwas gestiegen, liege aber noch immer trotz allen Schwankungen unter dem langjährigen Mittelwert. Im Grundwasserkörper rechts der Jeetzel lagen Messwerte aus tieferen Brunnen im unteren Bereich des langjährigen Mittelwerts. Die Tendenz der letzten 15 Jahre seien allerdings in Ostniedersachsen insgesamt fallende Grundwasserstände. Diese Tendenz ermittelte auch der Wasserverband Wendland-Höhbeck in 60 seiner Messstellen. „Leicht fallend“ seien der Grundwasserspiegel, bestätigte Geschäftsführer Riebock. „Das müssen wir leider zugestehen.“
Solarpark und Landschaftsschutz
In einem weiteren Tagesordnungspunkt beschäftigte sich der Fachausschuss für Naturschutz, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sowie Veterinärwesen mit der Planung eines Solarparks bei Satkau. Dort soll direkt an der Kreisgrenze ein Areal für Fotovoltaikanlagen entstehen. Die Gemeinde Schnega und die Samtgemeinde Lüchow haben deswegen eine Bauleitplanung mit einer Änderung des Flächennutzungsplanes in Gang gesetzt.
Doch die Anlage würde in einem Landschaftsschutzgebiet liegen. Damit sie
dennoch errichtet werden kann, muss das Gebiet vom Landkreis aus dem
Landschaftsschutz entlassen werden. Den Auftrag dazu muss der Kreistag erteilen.
Bei einer Gegenstimme sprach sich der Ausschuss für eine entsprechende
Empfehlung aus. Hermann Klepper (Soli) bezeichnete das Vorhaben als Irrsinn.
Horst Kaufmann (CDU) sprach sich dafür aus, das Vorhaben nicht schon vor der
Prüfung der Zulässigkeit abzulehnen.