vom 26.09.2026

Vorerst kein Aktionsplan

VON ROUVEN GROSS

Göhrder Gemeinderat vertagt Entscheidung über mögliches Maßnahmenpaket zur Revitalisierung des trocken gefallenen Kateminer Mühlenbachs

Göhrde. Dass dort einmal ein Gewässer floss, lässt sich nur noch erahnen. Eine Buschreihe mit einer flachen Vertiefung in der Mitte zieht sich durch ein Tal der Göhrde, das benannt ist nach einem Bach, den es heute in weiten Teilen nicht mehr gibt: dem Kateminer Mühlenbach.

 

Bild: Seit Jahren schon führt der Kateminer Mühlenbach dort, wo er einst entsprang, nämlich in der Göhrde, kein Wasser mehr. Erst ab der Mühle Darzau fließt er wieder – um dann wenige Kilometer später bei Katemin in die Elbe zu münden. Foto: R. Groß

Seit über einem Jahrzehnt führt der Bach zwar noch sporadisch Wasser, manchmal sogar Hochwasser, wie vor drei Jahren, als warmer Regen die letzten Schneereste der Göhrde schmelzen ließ. Doch solche Ereignisse können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bach keiner mehr ist. Ob er jemals zurückkehren wird, ist fraglich. Klar ist aber: Vonseiten der Gemeinde Göhrde, auf deren Gebiet der Bach einst entsprang und wo er sein Quell- und sein Zulaufgebiet hatte, ist aktuell wenig Hilfe zu erwarten. Dort lehnte es der Gemeinderat jetzt ab, einen Aktionsplan auf den Weg zu bringen, um den Bach zu revitalisieren. Ein entsprechender Antrag der Gruppe Pro Göhrde/SPD wurde vertagt. Offiziell, um zunächst die zuständige Fachbehörde des Landkreises dazu zu hören. Doch in Teilen des Rates selbst herrscht gegenüber einem Aktionsplan zum Kateminer Mühlenbach allgemein große Skepsis. Denn die Umsetzung eines solchen Plans, fürchten einige, könnte den landwirtschaftlichen Betrieben in der Region die Lebensgrundlage entziehen: nämlich die Möglichkeit zur Feldberegnung.

Aufforstung problematisch?

Die sei nämlich mitverantwortlich dafür, dass der Mühlenbach trocken gefallen ist. Das zumindest ist die Auffassung von Dr. Erich Bäuerle, einem promovierten Ozeanografen, der sich seit 20 Jahren mit dem Kateminer Mühlenbach und dessen Verschwinden beschäftigt und als ausgemachter Experte für dieses Phänomen gilt. Während der jüngsten Sitzung des Göhrder Gemeinderates im neuen Gerätehaus der Feuerwehr Metzingen erläuterte er, dass die Beregnung landwirtschaftlicher Flächen in der Göhrde klimawandelbedingt mehr Grundwasser verbrauche, als dort aktuell neu gebildet werden könne. Denn in der Göhrde und darüber hinaus fehlten Versickerungsflächen, unter denen sich neues Grundwasser bilden könne. Die Landschaft werde flächendeckend entwässert, das Niederschlagswasser fließe über Drainagegräben, Kanäle und Flüsse davon, statt zur Grundwasserneubildung beizutragen. Und auch der Wald trage dazu bei, dass der Kateminer Mühlenbach trocken liege – zumindest dort, wo er heute auf einstigen Heide- und Sumpfflächen wachse. Denn der Wald speichere dort nicht nur Wasser, sondern verbrauche es auch – mit der Folge, dass sich dort weniger Grundwasser bilde als zuvor.

Dass die Entwässerung „das größte Problem“ sei, räumte auch Göhrdes stellvertretender Bürgermeister Christof Goebel (CDU) ein. „Der Jeetzelkanal führt an einem Tag so viel Wasser ab, wie wir Landwirte in einem ganzen Jahr verregnen“, rechnete Goebel vor. Das sei aber ein Problem, das „nicht hier bei uns in der Göhrde gelöst werden wird“. Man müsse dazu kommen, wie im Landkreis Uelzen praktiziert, Wasser etwa im Herbst und im Winter zu speichern und dann zu verregnen, wenn es benötigt wird: im Frühjahr und im Sommer. Ein lokaler Aktionsplan für den Kateminer Mühlenbach und andere in der Göhrde trocken gefallene Gewässer sei nicht zielführend. Goebel ist Vorsitzender des hiesigen Zuckerrüben-Anbauerverbands. Zuckerrüben gelten als beregnungsintensive Kultur.

Neuer Rat ab 9. November

Nun sollen zu einer der nächsten Sitzungen des Göhrder Gemeinderates erst einmal Vertreter der Unteren Wasserbehörde des Landkreises eingeladen werden, um den Ratsleuten Rede und Antwort zu stehen. Wann das sein wird, ist unklar, vermutlich noch nicht in der nächsten Sitzung: Die ist am 9. November; dann konstituiert sich jedoch zunächst der neue Rat und wählt auch einen neuen Bürgermeister – Amtsinhaber Thomas Stegemann (UWG) hatte bei der Kommunalwahl nicht mehr kandidiert.

 

Bearbeitet am: 26.09.2026/ad


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