Mit Schwammlandschaften entgegenwirken
Betrifft: Artikel „Trocken – aber beitragspflichtig“ (EJZ vom 4. Dezember)
Wenn Herr Groß ganz lapidar das Verschwinden der Bäche in direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel bringt, birgt das einen Hauch von Fatalismus. Dabei wird eine wichtige Aussage der Klimaforschung verkannt: dass nämlich eine zeitliche Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter zu erwarten sei.
Wenn dem so sein wird, sind wir mehr denn je gefordert, von der in der Vergangenheit verfolgten Praxis abzugehen (was erfreulicherweise auch im Landkreis in Ansätzen schon geschieht), die darin bestand, die Niederschläge so schnell wie möglich aus der Landschaft abzuleiten.
Vielmehr muss alles daran gesetzt werden, sie dann, wenn sie stattfinden, in der Landschaft zu halten. Dies sei hier in aller Kürze unter dem Stichwort „Schwammlandschaften“ zusammengefasst Das temporär im Überfluss vorhandene Wasser wird zurückgehalten und nicht mehr weggeschafft. Wenigstens ein Teil davon würde für den Sommer gerettet. Damit wäre dem Klimawandel entgegengewirkt!
Dies wird bestimmt nicht ohne einen gewissen finanziellen Aufwand realisierbar sein. Die Abschaffung der Beiträge zur Gewässerunterhaltung wäre ein Schritt in die völlig falsche Richtung – wobei vorausgesetzt werden soll, dass es in Zukunft nicht um die „Säuberung“ begradigter, trocken gefallender Bäche, sondern um das Anlegen von Ausbuchtungen und kleinen Tümpeln geht.
Feuchtgebiete werden dann nicht mehr als Makel, sondern als Bonus in der Bachlandschaft gesehen, auch weil dort Grundwasserneubildung stattfinden kann.
Zum Schluss noch ein Satz zur künstlichen Beregnung: Es ist zu erwarten, dass sie in einen direkten Zusammenhang zum Klimawandel gestellt werden wird. Das ist zweifellos richtig. Es müsste aber eigentlich Konsens bestehen, dass nicht mehr Grundwasser entnommen werden darf, als neu gebildet wird. Sonst müssten wir uns an das Bild versiegender Quellen und ausgetrockneter Bäche gewöhnen.
Aber dem kann entgegengewirkt werden. Man muss es allerdings wollen!
Dr. Erich Bäuerle, Tosterglope
AG Grundwasser