Auswirkungen bis weit in die Umgebung hinein
▶ Betrifft: Artikel „Fast am Tiefpunkt" (EJZ vom 16. Juli)
Das Wasser, das die Elbe hinunterfließt, ist Regenwasser. Und wenn es in den Einzugsgebieten des Flusses kaum regnet, wird die Elbe zu einem Rinnsal. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind die Zeiträume extremen Niedrigwassers immer häufiger und immer länger geworden – auch eine Folge des Klimawandels. Das hat Auswirkungen bis weit in die Umgebung hinein. Die Natur entlang des Flusses, die Pflanzen- und Tierwelt muss mit weniger Wasser auskommen. Natürlich auch die Landwirtschaft, weil das Grundwasser mit dem Wasserstand in der Elbe zusammenhängt. Welche Folgen hätten dann erst die Pläne der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), zwischen Damnatz und Hitzacker eine Art Kanal in den Flusslauf zu bauen? Lange Wälle parallel zu den Ufern sollen mehr Wasser in die Flussmitte leiten und die Strömung dort schneller machen. So könne sie mehr Sand und Kies mitschleppen, die Flusssohle abhobeln und um circa 20 Zentimeter vertiefen. Aber wird das den Wassermangel rechts und links des Flusses nicht noch weiter verschärfen? Welche Auswirkungen wird das auf die an den Uferbereichen lebenden Arten haben? Wird damit der ökologische Zustand der Elbe und ihrer Auen grade während der zunehmenden Niedrigwasserphasen nicht weiter verschlechtert?
In den beiden Werbeveranstaltungen der WSV 2023 und 2024 in Hitzacker wurden diese Fragen nicht behandelt. Grundlage für die Wasserbauer sind die Wasserstände vor 2010. Außerdem gibt es Prognosen, die ab den 2030er-Jahren wieder mehr Wasser in der Elbe sehen. „Weil, so schließt man messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf,“ wie der Dichter sagt.
Der WSV und Wirtschaftskreisen aus Hamburg und Sachsen-Anhalt geht es vor allem darum, die Elbe als Schifffahrtsstraße für die großen Gütermotorschiffe zu erhalten. Die sind allesamt eigentlich für die Kanalfahrt konstruiert und benötigen Fahrrinnentiefen von mindestens 1,60 Meter. Deswegen benutzen sie fast alle den Elbeseitenkanal, der ihnen ganzjährig ausreichende Tiefen bietet.
Wie viele Schiffe fahren zwischen Magdeburg und Bleckede überhaupt noch auf der Elbe? Und wie viele sollen es nach den Umbaumaßnahmen werden? Auch diese Fragen lässt die WSV unbeantwortet. Vielleicht, weil man sonst darauf kommen könnte, dass hier klägliche Reste der Elbschifffahrt weiter mit Millionensummen subventioniert werden sollen.
Letztlich zieht sich die WSV auf „hoheitliche Aufgaben“ zurück, die die WSV als Behörde zu erfüllen habe. Und das „Gesamtkonzept Elbe“, vereinbart 2017 zwischen einigen Bundesländern und dem Bund, will die gesamte Elbe als Bundeswasserstraße für den Güterverkehr unbedingt erhalten. Gleichzeitig wäre die WSV laut Gesamtkonzept Elbe aber dazu verpflichtet, mit ihren Strombaumaßnahmen auch den ökologischen Zustand der Elbe zu verbessern. Die Frage, wie das bei Niedrigwasserständen wie in diesem Jahr gehen soll, muss sie beantworten. Denn auch eine Bundesregierung kann nicht beschließen, dass mehr Wasser die Elbe hinunterfließen soll.
Wolf-Rüdiger Marunde
Karmitz