Leserbrief der

vom 04.10.2025

Eine doppelte Belastung

Betrifft: Artikel „Quantität und Qualität in gutem Zustand“ (EJZ vom 10. September)

Es wirkt, als würden wir lieber den Glanz der Landwirtschaft polieren, statt uns mit der harten Realität unseres belasteten Grundwassers auseinanderzusetzen. Doch die Wirklichkeit lässt sich nicht mit schönen Worten überdecken. Lüchow-Dannenberg gehört zu den „roten Gebieten“, die offiziell als nitratbelastet ausgewiesen sind (EJZ vom 6. Februar).
Dies ist meiner Meinung nach ein deutliches Signal, wie ernst die Lage ist. Ja, es wird heute weniger gedüngt als noch vor Jahrzehnten. Aber das ist kein Grund zur Entwarnung. Nitrat verschwindet nicht einfach, es versickert langsam ins Grundwasser und taucht dort oft erst Jahre später auf. Fachleute weisen seit Langem auf diesen Zusammenhang hin.

Welche Rolle spielen Privatgrundstücke?

Trotzdem heißt es im EJZ-Artikel vom 10. September: „Nach Riebocks Ansicht kommt die Belastung viel eher aus den Privatgrundstücken, auf denen zu viel gedüngt werde.“ Das klingt bequem, ist aber irreführend. Mir ist keine einzige seriöse Studie bekannt, die Kleingärten im Landkreis Lüchow-Dannenberg als Hauptquelle der Belastung belegt.

Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Zwischen 2019 und 2024 überschritten 12,1 Prozent der untersuchten Brunnen im Kreis den Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter. In Orten wie Bösel, Küsten, Marleben oder Prabstorf wurden sogar Werte von über 100 mg/l gemessen (VSR Gewässerschutz). Wer angesichts solcher Zahlen die Schuld auf Kleingärten schiebt, zeigt damit eher Ablenkungsmanöver als Fachkenntnis.

Natürlich sehe ich auch die schwierige Lage der Landwirte. Wetterextreme machen es oft unmöglich, Dünger im richtigen Moment auszubringen. Die Folge: Pflanzen bleiben unversorgt, während überschüssige Nährstoffe ins Grundwasser und in die Flüsse gelangen. So entsteht eine doppelte Belastung: Die Bauern verlieren Erträge, und wir alle zahlen am Ende mit verschmutztem Trinkwasser.

Problem liegt tiefer

Es kann sein, dass auch in Kleingärten nicht alles perfekt läuft. Aber zu glauben, damit sei das Hauptproblem gelöst, ist viel zu kurz gedacht. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Wir müssen endlich akzeptieren, dass grenzenloses Wachstum eine Illusion ist. Wer so weitermacht, als könnten Böden und Wasser unbegrenzt belastet werden, handelt fahrlässig.

Für mich ist klar: Eine Landwirtschaft der Zukunft darf nicht nur kurzfristige Erträge sichern, sondern muss unsere Lebensgrundlagen schützen. Nachhaltigkeit darf kein gefälliges Aushängeschild sein, sie muss zur verbindlichen Leitlinie werden. Alles andere ist ein riskantes Spiel mit der Zukunft, und das können wir uns schlicht nicht leisten.
 

Adelheid Danielowski,
Gedelitz

Bearbeitet am: 04.10.2025/ad

www.ejtz.de

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