„Quantität und Qualität in gutem Zustand“
VON KARL-FRIEDRICH KASSEL
Berichte über die Lage beim Grund- und Trinkwasser im Fachausschuss – Experten entlasten Landwirte
Lüchow. Beim Grundwasser gibt es aktuell sowohl bei der Menge als auch bei der Güte kaum Anlass zur Sorge. Das erklärten am Montag zwei Referenten in der Sitzung des zuständigen Fachausschusses des Kreistages in Lüchow. Die Berichte zum Grund- und Trinkwasser stehen regelmäßig jährlich auf der Tagesordnung des Ausschusses. Zumindest in den Niederungsgebieten links und rechts der Jeetzel sei die Situation bei den Grundwasserständen „einigermaßen undramatisch“, erklärte Gerald Nickel vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Bild: Der Grundwasserspiegel sinke nicht dauerhaft wegen landwirtschaftlicher Beregnungsanlagen – das betonte der NLWKN im Naturschutzausschuss des Kreistags. Archivfoto: R. Groß
Auf Nachfrage von Hermann Klepper (Soli) relativierte Nickel seine Aussage jedoch: Klepper hatte sich beklagt, dass er seit 20 Jahren höre, die Lage sei undramatisch. Dabei seien die Folgen in der Landschaft längst zu erkennen. Nickel meinte dazu, dass das Geschäft für die Unteren Wasserbehörden anspruchsvoller geworden sei. Man müsse sich überlegen, wie das Wasser bewirtschaftet werden könne, damit die Auswirkungen von Wasserentnahmen so gering wie möglich bleiben.
Der Vertreter des NLWKN berichtete von einem historischen Tiefstand beim Grundwasser im Jahre 2022. Dagegen habe es 2024 viel geregnet, es sei ein erholsames Jahr für das Grundwasser gewesen. Aus den Messungen in den verschiedenen Messbrunnen könne man feststellen, dass man sich beim Grundwasserstand einem langfristigen Mittelwert annähere. Das laufende Jahr habe wieder lange Trockenzeiten gebracht, sodass man sich fragen müsse, wie es weitergeht.
Für die Niederungsgebiete links und rechts der Jeetzel erwarte man eine stabile Grundwasserneubildung. Langfristig gehe es „nicht deutlich nach unten“, erklärte Nickel. Da rechne man mit einer stabilen Lage im Mittelwert. Doch die Ausschläge nach oben und unten würden höher.
Referent entlastet Landwirtschaft
Der Referent legte großen Wert auf die Entlastung der Landwirtschaft vom Vorwurf, durch die Beregnung zum Absenken des Grundwasserspiegels beizutragen. Man könne bei den Messungen erkennen, dass der Grundwasserstand wegen der Beregnung absinke. Nach dem Abschalten der Beregnungsanlagen fülle sich das Vorkommen jedoch schnell wieder. Eine dauerhafte Absenkung las Nickel aus den Messwerten zumindest in den Niederungsgebieten nicht heraus.
Anders als in den Niederungen stellt sich die Situation in der Hohen Geest,
im Drawehn, dar. Dort sinke das Grundwasser stetig seit den 1970er-Jahren, mit
den üblichen jahreszeitlichen Ausschlägen. Das sei eine eindeutige Tendenz, die
bereits vor den trockenen Jahren einsetzte. Für die Ökologie habe das jedoch
keine Auswirkung, denn der Grundwasserspiegel liege hier mehrere Dutzend Meter
unter der Geländeoberkante.
Ein weiterer Vorwurf wurde vonseiten der Verwaltung entkräftet. In der
Vergangenheit gab es aus dem Nachbarkreis Salzwedel Äußerungen, wonach das
Abpumpen des Grundwassers in Lüchow-Dannenberg ursächlich wäre für das Absinken
des Wasserstandes im Arendsee. Die Äußerung sei wohl eher dem Wahlkampf
geschuldet gewesen, hieß es am Montag in der Ausschusssitzung. Denn bei einer
Fachtagung in der Altmark sei von einem solchen Zusammenhang schon gar keine
Rede mehr gewesen, erklärte Martin Riedel, der Leiter der Unteren Wasserbehörde.
Nur an wenigen Brunnen: Zu viel Nitrat im Grundwasser
Auch die Wassergüte beim Trinkwasser gibt nach Angaben des Geschäftsführers des Wasserverbandes Wendland-Höhbeck, Carsten Riebock, keinen Anlass zur Sorge. Er beklagte sich über Medienberichte, bei denen es um Chemikalien im Trinkwasser ging. In seinem Verband könne man Belastungen, etwa von Ewigkeitschemikalien wie PFAS, nicht messen. Einzig ein Brunnen am Höhbeck bereite Sorgen wegen Nitraten.
Nickel erklärte, dass es einen allgemeinen Druck auf das Grundwasser wegen
Nitraten gebe. Dort, wo man sie erwarte, könne man sie auch messen, erklärte er.
Den Spitzenwert liefere weiterhin ein Messbrunnen in Dangenstorf mit 120
Milligramm je Liter. Aber auch beim Nitrat wollten die Referenten den Vorwurf
nicht an die Landwirtschaft richten. Man arbeite gut zusammen und habe bereits
erreicht, dass große Mengen an Düngemitteln vermieden werden, hieß es von den
Referenten. Nach Riebocks Ansicht kommt die Belastung viel eher aus den
Privatgrundstücken, auf denen zu viel gedüngt werde. Aber Quantität und Qualität
des Trinkwassers seien in einem guten Zustand.