vom 12.01.2024

Hinweis der AG-Grundwasser-Redaktion:

Defizite noch nicht ausgeglichen

Kreisverwaltung warnt: 2024 kann trotz des vielen Wassers erneut ein Dürrejahr werden

VON JENS HEYMANN

Lüchow-Dannenberg. Große Niederschlagsmengen, teils riesige Seen auf den Feldern – von der Trockenheit in den Sommern der vergangenen fünf Jahre ist derzeit in Lüchow-Dannenberg nichts mehr zu spüren. Mussten die Menschen bis Ende Oktober aufgrund einer Landkreisverfügung noch Wasser sparen, gibt es nun scheinbar keinen Mangel mehr.

Bild: Die Lüchow-Dannenberger Kreisverwaltung schließt trotz der Regenmengen der vergangenen Monate ein erneutes Dürrejahr nicht aus. Archivaufn.: D. Boick

Doch das Gefühl ist das eine, Fakten das andere. Die EJZ fragte nicht nur den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (siehe dazu Artikel oben), sondern auch die hiesige Kreisbehörde nach ihrer Einschätzung.

Boden nass, Gräben voll

„Der Oberboden ist fast vollständig durchnässt“, lautet diese und verweist auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig. Dort finden sich Daten wieder, die beispielsweise anzeigen, wie viel Wasser Pflanzen zur Verfügung steht: wenig überraschend – derzeit mehr als genug. Die Gräben seien teilweise bordvoll, sodass das Wasser von Flächen nur verzögert ablaufe, heißt es weiter. Aufgrund von Bodenverdichtung könne das Nass lange auf den Flächen stehen, bevor es dort versickere und gegebenenfalls in die Gräben laufe. Erkennbar sei dies laut Kreisbehörde etwa daran, dass der Wasserspiegel in Gräben über einen längeren Zeitraum niedriger ist als der Wasserspiegel von großflächig überstauten Feldern.

Der Blick über die Momentaufnahme hinaus bleibt aber angespannt. „Die Defizite der Grundwasserneubildung durch die vergangenen Dürrejahre 2018, 2019, 2020 und 2022 sind durch die derzeitigen Niederschläge nicht ausgeglichen“, heißt es aus dem Kreishaus. Dass sich derzeit Grundwasser neu bildet, sei erfreulich, hänge jedoch auch stark von den Zuständen am Ort ab. Und: 2017, dem letzten Vordürrejahr, habe es eine ähnliche Situation gegeben. So betrug der Jahresniederschlag an der Messstation Lüchow 768 Millimeter; 2023 waren es 792 Millimeter. Soll heißen: Trotz der Feuchtigkeit im Boden könne auch dieses Jahr wieder ein Dürrejahr werden, so die Verwaltung. Es sei nicht vorhersehbar. Zudem sei davon auszugehen, dass die Grundwasserstände sich nicht vollständig erholt haben, lautet die weitere Einschätzung. Klimaprognosen würden mehr Verdunstung voraussagen.

Maßnahmen zum Wassersparen bleiben Thema

Für die Menschen in Lüchow-Dannenberg könnte dies bedeuten, dass sie auch in Zukunft Wasser sparen müssen. Die Untere Wasserbehörde des Landkreises werde weiterhin wassersparende Maßnahmen ergreifen, lässt man sich Spielraum offen. Zusätzlich wolle dieser im Rahmen des regionalen Wasserversorgungskonzeptes auch nicht näher genannte Maßnahmen zusammenstellen, die Klimafolgen Rechnung tragen.

Bearbeitet am: 13.01.2024/ad


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