Presseerklärung zum Beitrag von Karl-Friedrich Kassel in der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 11.09.2025 „Quantität und Qualität in gutem Zustand“.
Wenn doch die Überschrift des Artikels von Herrn Kassel wenigstens mit einem Fragezeichen versehen worden wäre! Aber nach „Quantität und Qualität in gutem Zustand“ in dicken Lettern und, quasi als Zusammenfassung, „Experten entlasten Landwirte“ zu schreiben, zeugt von einer besonderen Raffinesse.
Was dann berichtet wird, war fast zu erwarten: Nach einem nassen Jahr wird von Herrn Nickel am 6. September in der Sitzung des zuständigen Fachausschusses des Kreistags in Lüchow frohgemut verkündet, das Grundwasser habe sich erholt und stelle sich „einigermaßen undramatisch“ dar. Um das zu belegen, wird auf die Messungen an den Grundwasserbrunnen in den Niederungsgebieten links und rechts der Jeetzel verwiesen. Aus dem Munde von Herrn Nickel, dem Vertreter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), hört sich das deshalb einigermaßen erstaunlich an, kennt Herr Nickel doch auch die Situation an anderen Messstellen und weiß er doch um das Trockenfallen der Bäche aus dem Drawehn. Vom Kateminer Mühlenbach wäre zum Beispiel zu berichten, dass er seit nunmehr 7 Jahren ausgetrocknet ist und er sich bis dato nicht erholt hat. Das ist für alle, die am Bach wohnen, offensichtlich. Weniger offensichtlich ist, was damit gemeint sein könnte, dass sich die Grundwasserstände „einem langfristigen Mittelwert annäherten“. Der offizielle Pegel des NLWKN im oberen Teil des Tals des Kateminer Mühlenbachs (vom Oberlauf des Bachs kann leider nicht mehr gesprochen werden – der Bach existiert dort nicht mehr!) zeigt an, dass sich der Abwärtstrend nach dem historischen Tiefstand im Jahre 2022 (immerhin 4 m (!) unterhalb des Standes von vor 30 Jahren) um ungefähr einen halben Meter auf den Stand von 2020 aufgefüllt hatte. Inzwischen ist der Grundwasserstand wieder am Fallen. Von der eben noch postulierten Annäherung an einen langfristigen Mittelwert kann also keine Rede sein, wie Herr Nickel auf Nachfrage von Herrmann Klepper zugibt, und jetzt (für diese Gebiete des Landkreises) von „einer eindeutigen Tendenz“ spricht, die aber bereits vor den trockenen Jahren eingesetzt habe. Falls jetzt jemand auf die Idee kommen sollte, das hätte mit der seit den 70er Jahren intensivierten Beregnung zu tun und das beunruhigend finden sollte, hat Herr Nickel das Argument zur Hand, diese „eindeutige Tendenz“ habe keine Auswirkung für die Ökologie , denn der Grundwasserspiegel liege hier mehrere Dutzend Meter unter der Geländeoberkante.
Auf der Suche nach dem Grundwasser, das früher den Kateminer Mühlenbach gespeist hat und jetzt abhanden gekommen ist, muss man sich wohl anderen Experten zuwenden. Im Rahmen eines von der EU und dem Land Niedersachsen geförderten und unter der Federführung der Landwirtschaftskammer Uelzen koordinierten Forschungsprojektes („NoRegret – genug Wasser für die Landwirtschaft?!“) wurde schon im Jahr 2008 (also „bereits vor den trockenen Jahren“) folgendes niedergeschrieben: Im Kap. 4.4 „Simulation von Entwicklungsszenarien der Feldberegnung und Gefährdung von Ökosystemen durch Grundwasserabsenkung“ von Andreas Ogroske, HGN Hydrogeologie GmbH, heißt es: „Insbesondere die Quellgebiete und Oberläufe der Vorfluter gehören zu den gefährdeten Bereichen“ (S.123). Und Prof. Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg, Leuphana-Universität Lüneburg schreibt im Kap. 4.6 „Einflüsse der Land- und Wassernutzung auf das Niedrigwasser“ auf Seite 131 des selben Berichts: „Die Ergebnisse zeigen, dass hier die Niedrigwasserabflüsse in den vergangenen fünfzig Jahren deutlich abgenommen haben“.
Man darf doch bitte angesichts solcher schon seit einigen Jahren vorliegenden Expertise fordern, dass auf der Suche nach den kausalen Zusammenhängen auf dem Gebiet der Grundwasserproblematik der Stand des Wissens ausschlaggebend ist und nicht immer wieder ein Teil der Fakten nicht zur Kenntnis genommen wird!
Auch beim Problem von Nitraten im Grundwasser macht sich Herr Nickel offenbar große Sorgen um den Ruf der Landwirtschaft. Immerhin habe man bereits erreicht, dass „große Mengen an Düngemitteln“ vermieden werden. Es war also auch schon anders! Könnte es sein, dass das Nitrat, das Jahre braucht, um in die Grundwasserhorizonte abzusinken, dort auch erst Jahre nach dem Ausbringen zu erhöhten Werten geführt hat? Aber diese Interpretation, die von praktisch allen Fachleuten geteilt wird, wischt Herr Riebock beiseite mit dem Hinweis auf die Privatgrundstücke, wo zu viel gedüngt werde. Damit wird man aber den Problemen nicht gerecht, mit denen die Landwirte prinzipiell konfrontiert sind, wenn nämlich schwierige Witterungsverhältnisse die Ausbringung des Düngers zum passenden Zeitpunkt erschweren. Dass dabei doppelter Schaden entsteht, ist fatal und trifft die Landwirte und die Bevölkerung gleichermaßen: der Dünger kommt bei widrigem Wetter nicht bei den Pflanzen an, sondern taucht ab in Richtung Grundwasser – wenn er nicht zuvor in die Bäche und Flüsse geschwemmt wurde. Auch wenn es zutreffend sein dürfte, dass auf vielen Privatgrundstücken über die Maßen gedüngt wird, kommt man aus dem drängenden Problem der Überdüngung nicht heraus durch billige Verschiebung des Schwarzen Peters.
Eine nachhaltige Lösung des Konflikts zwischen Wasserverfügbarkeit und
Ernteertrag wird ein bestimmendes Thema der zukünftigen Landwirtschaft sein. Und
soviel dürfte klar sein: Ein grenzenloses Wachstum ist ein Ding der
Unmöglichkeit. Es wäre verantwortungslos, die offensichtlichen Signale dafür,
dass diese Grenzen erreicht sind, zu ignorieren.
